„Yoga ist meine Ich-Zeit“ – Interview mit Yogalehrerin Anja Piel

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Heute freuen wir uns besonders: Wir dürfen Euch Anja Piel vorstellen, die mit uns gemeinsam ins Sommercamp fahren wird und dort mit Euch Yoga, Atem und Achtsamkeit trainieren wird.
Wir haben Anja ein paar Fragen gestellt, damit Ihr sie ein bisschen besser kennenlernen könnt.

 

Warum übst und lehrst Du Yoga und wie bist Du dahin gekommen?

Yoga ist für mich Achtsamkeitspraxis. Das heißt achtsam im Moment zu sein. Welche Gedanken gehen mir durch den Kopf? Wie fühlt sich mein Körper heute an? Das ist für mich mittlerweile genauso wichtig geworden wie mein Frühstücksei oder eine erfrischende Dusche. Aber das war nicht immer so. Früher habe ich gedacht, ich könne kein Yoga üben, weil ich eine Beeinträchtigung an der Schulter habe und einen Arm nicht schwer belasten darf. Während meiner ersten Yogastunde in einem indischen Wohnzimmer wurde ich dann eines Besseren belehrt. Das war im Sommer 2009. Seitdem hat sich Yoga immer mehr in mein Leben eingeschlichen. Im Frühling 2012 war ich dann endlich soweit und habe ich meinen Beruf gewechselt (Früher habe ich im Vertrieb eines großen Konzerns gearbeitet. Heute bin ich Lehrerin an einem Berufskolleg). Während dieser Phase der Umorientierung habe ich Folgendes beschlossen: Ich möchte meine Träume und Ideen Wirklichkeit werden lassen, anstatt nur im Hamsterrad mitzulaufen, und ich will Gestalter meines eigenen Lebens werden. Ich habe dann relativ spontan beschlossen nach Indien zu reisen, um eine Yogalehrerausbildung zu machen und mehr über Yoga zu lernen.

 

Welche Vorteile kann das Üben von Asanas (Positionen/Körperstellungen im Yoga) und Pranayama (Atemtraining) für Sprecher und Sänger haben?

Eine regelmäßige Yoga-Praxis führt zu einem anderen, feineren Gefühl für den eigenen Körper. Man beginnt automatisch gerader zu sitzen und zu stehen und sich bewusster zu bewegen. Wenn Verspannungen auftreten, dann merkt man dies viel früher und kann hier gezielt mit Asanas gegen steuern. Solche Verspannungen können sich auch schnell auf die Sprech- oder Singstimme auswirken. Das verbesserte Körperbewusstsein hilft somit auch allen, die – so wie ich im Klassenzimmer – vor Menschen oder auf einer Bühne stehen. Durch Atemübungen kann man den Atem gezielt fließen lassen oder bestimmte Wirkungen erzielen, zum Beispiel um die Stimme ruhiger werden zu lassen, wenn man aufgeregt ist. Es heißt ja nicht umsonst „erst mal tief durch atmen“. Eine bewusste Atmung hilft auch, Sprech- bzw. Atempausen gezielt einzubauen. Das ist beispielsweise wichtig, wenn man vor einer Gruppe spricht. Ein häufiger Fehler ist hier das zu schnelle und wenig betonte Sprechen. In diesem Fall verliert man schnell die Aufmerksamkeit der Zuhörer.

 

Wie kann sich eine regelmäßige Yogapraxis auf das Innenleben des Übenden auswirken?

Durch Yoga wird man insgesamt ruhiger und gelassener. Wenn ich von Yoga spreche, meine ich immer nicht nur die Körperübungen, sondern insbesondere auch Meditation oder achtsam im Moment zu sein. Ich bin vor zehn Monaten das erste Mal Mutter geworden. Seitdem ist die Zeit auf der Matte zwar seltener, aber dafür umso wichtiger geworden. Reine „Ich-Zeit“ sozusagen, bei der alle anderen Rollen die man im Alltag spielt außen vor bleiben. Diese „Ich-Zeit“ auf der Matte hilft einem Wichtiges von Unwichtigem im eigenen Leben zu trennen und wieder zu sich selbst zurück zu finden. Denn uns selbst verlieren wir in der Hektik des Alltags oft schnell aus den Augen. Ein wichtiges Prinzip der Yogaphilosophie ist die Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen. Hierzu gehört zum Beispiel die Gewaltlosigkeit gegenüber Tieren (die meisten Yogis leben überwiegend vegetarisch oder vegan), aber insbesondere auch gewaltlos gegenüber sich selbst zu sein. Und das ist gar nicht so einfach! Wir tun ständig Dinge, die uns eigentlich nicht gut tun. Zum Beispiel indem wir versuchen es anderen recht zu machen oder uns zu viel vornehmen. Mein persönliches Mantra (Leitsatz) lautet daher: „Du musst nichts tun. Du musst niemand sein.“ Das hilft mir oft, wenn ich wieder nicht gut zu mir selber bin.

 

Würdest Du allen Menschen dazu raten, Yoga zu üben?

Ja, auf jeden Fall! Eine regelmäßige Yoga- oder Achtsamkeitspraxis kann jedem helfen, sein Leben bewusster zu leben. Sei es nun, um der inneren Stimme mehr Raum zu geben oder um einfach nur zu entspannen und ruhiger zu werden.

 

Kann ich jederzeit einsteigen, auch wenn ich keine Erfahrung habe? Brauche ich bestimmte Voraussetzungen?

Ja. Du kannst in jedem Alter und jeder Verfassung einsteigen. Mit dem alten Vorurteil, Yoga seien die schlimmsten Verrenkungen auf der Matte, die nur Hochleistungsgymnasten ausführen können, wurde ja dank der zunehmenden Popularität von Yoga weitestgehend aufgeräumt. Jeder sollte sein persönliches Yoga finden, bei der er die Übungen so ausführt wie sie ihm gut tun. Es gibt sehr viele verschiedene Yogastile mit völlig unterschiedlichen Übungsprinzipien. Hier kann es gut sein, verschiedene Stile und Lehrer auszuprobieren, um das Richtige für sich zu finden.

 

Was findest Du persönlich besonders wichtig an Deiner Art Yoga zu üben?

Yoga soll keine Pflichtübung sein, sondern die Zeit am Tag, an der ich etwas nur für mich tue und welche mir gut tut. Trotzdem: Auch ich schreibe mir „Yoga üben“ auf meine tägliche To-do-Liste und nehme diesen Punkt genauso ernst wie die Steuererklärung zu machen oder Rechnungen zu überweisen. Falls mein Baby mich nicht davon abhält. Dann machen wir Mama-Baby-Yoga.

 

Vielen Dank für das Interview, liebe Anja!

Wenn Ihr Lust bekommen habt, mit Anja Yoga zu üben und mit uns an Stimme und innerer Haltung zu arbeiten, dann meldet Euch doch noch schnell für´s Sommercamp vom 14.- 16. Juli 2017 an! Wir freuen uns, Euch kennen zu lernen!

 

  • Anja Piel
    Anja Piel Certified Yoga Teacher (Yoga Alliance)

 

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