Wie Du ohne Trainer Deine Stimme verändern kannst

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„Stimme verändern? Meine Stimme ist halt so, kann ich sowieso nichts dran machen.“ oder auch „Ich habe keine Zeit, meine Stimme zu trainieren.“ oder auch „Ich bin überhaupt nicht musikalisch und höre mich selbst nicht, da kann ich ja nichts verändern.“

Alles Gründe oder vielleicht auch Ausreden, die eigene Stimme so zu lassen „wie sie eh schon immer war“. Im Grunde genommen auch völlig gut, wenn da dann kein Feedback der Kollegen, Chefs oder Zuhörer aus dem Publikum käme: Zu leise, zu laut, zu aggressiv, zu unsicher, zu piepsig, zu bestimmend und so weiter… Oder Du selbst Deine Stimme überhaupt nicht magst und sie aus Frust oder Unwissenheit nicht bewusst einsetzt, sie zu sehr belastest und unter Heiserkeit, Räusperzwang oder ähnlichen Beschwerden leidest.

Stimme verändern ohne Trainer

Was, wenn ich Dir sage, dass Du auch mit wenig Zeitaufwand am Tag, ohne Termin beim Stimmtrainer oder ganzen Tag im Stimmseminar Deine Stimme verändern kannst und so Deine Wirkung auf andere Menschen bewusst und nicht mehr aus Versehen einsetzt? Bist Du dann dabei?

Es gibt nämlich kleine Aufgaben und Tipps, die Du ohne großartige Anleitung oder Supervision schon ganz alleine ausführen kannst – und zwar in Deinem Alltag.

No. 1 – Das Bewusstsein

Mal wieder steht das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit an allererster Stelle 🙂 Alles was ich selbst nicht bemerke oder wahrnehmen kann, ist nur sehr schwer — wenn überhaupt — veränderbar. Das gilt übrigens auch für die Stimmtherapie, wenn ich mit Patienten direkt zusammenarbeite. 

Beobachte die verschiedenen Parameter, die mit der Stimme in engem Zusammenhang stehen: Körperhaltung und -sprache inklusive Muskel(ver)spannungen, Atmung, Artikulation und Betonungen, innere Haltung (Denkweisen, Mindset, Emotionen) und natürlich den Stimmklang. 

Wie stehst oder sitzt Du in der verschiedenen Sprechsituationen? An welchen Stellen hast Du Verspannungen? Was machen Deine Arme und Hände beim Sprechen? Wie reagiert Dein Körper auf stressige, aufregende usw. Situationen? 

Wo fühlst Du Deine Atmung? Wann atmest Du durch den Mund und wann durch die Nase? Ist Dein Bauch locker oder angespannt? Und in welchen Situationen spannt er sich vielleicht unbemerkt von selbst an? Ist die Ausatmung länger als die Einatmung? Wann atmest Du, wenn Du sprichst?

Ist der Kiefer fest oder locker? Machst Du den Mund auf beim Sprechen oder sind die Zähne eher zusammen? Welche Werkzeuge brauchst Du für das Formen von Lauten? Verschluckst Du Endungen oder sprichst Du deutlich?

Was machen die verschiedenen Emotionen mit Deinem Stimmklang? Ist Deine Stimme eher klar, heiser, knarrend, laut, leise…? Ist die Stimme zu jeder Tageszeit und Situation gleich oder inwiefern verändert sie sich? Was kann Deine Stimme alles?

Was denkst Du über Deine Stimme und über die verschiedenen Sprechsituationen, die Du hast? Willst Du gehört werden? Magst Du Deinen Stimmklang? Bist Du Dir über Deine Sprechabsicht in der Regel bewusst – zu wem Du warum und mit welchem Ziel sprichst?

Und so weiter geht der Fragenkatalog 🙂 Wie Du merkst, eine Menge zu beobachten und wahrzunehmen.

Kleiner Tipp: Mit einer Aufnahme von Dir und Deiner Stimme – Audio oder noch besser Video – kannst Du Deinen Forscherauftrag wunderbar unterstützen.

No. 2 – Unterschiede provozieren – Übungen finden

Im zweiten Schritt kannst Du Dich schon ausprobieren und in den verschiedenen Bereichen Unterschiede schaffen: Kannst Du Deine Haltung verändern? Wie gelingt es Dir, vielleicht standfester zu stehen? Kannst Du Deine Atmung in Stresssituationen bewusst vertiefen oder überhaupt beeinflussen – wenn ja, wie? Was kannst Du mit Deiner Stimme alles machen? Kannst Du lauter – leiser, fröhlich – ernst, behaucht – klar usw. sprechen? Wenn ja, was genau veränderst Du? Welche Deiner Denkweisen sind hilfreich und unterstützen Dich in Deinen Sprechsituationen und welche sind vielleicht eher einschränkend? Kannst Du Deine Stimmung bewusst verändern? Wenn ja, wie? 

An dieser Stelle hilft es schon, wenn Du Dir ein paar Inspirationen und Informationen auf Blogs oder in Büchern anliest. Kleine Übungen zur Haltung, Körpersprache oder Stimme findest Du schnell und einfach. Und auch hier gilt: Integriere die Mini-Übungen in Deinen Alltag. An der Kaffeemaschine, vor dem Spiegel im Bad, im Gespräch mit dem Kollegen, im Auto an der Ampel… Probiere aus, ob die Übung für Dich wirklich passend ist und den Effekt hat, den Du gerne haben willst. Überlege Dir vorab unbedingt, was genau Dein Ziel ist! 

No. 3 – Rituale und Anker

Du hast Deine Lieblingsübungen zu Stimme, Körper und Mindset gefunden? Dann schaffe Dir in einem nächsten Schritt Rituale und neue Gewohnheiten in Deinem Alltag. Überlege Dir kleine Erinnerungshilfen, wie beispielsweise kleine Figuren, Bilder oder Aufkleber, die Dich an die Übungen und Verhaltensänderungen erinnern. 

In den sogenannten ABCD-Räumen (vielen Dank an Kollegin Ingrid Amon für diesen treffenden Namen) – Auto, Bad, Klo, Dusche – bist Du sowieso täglich mehrmals für ein paar Minuten ungestört und hast Zeit, kleine Mini-Stimm-Körper-Denkübungen durchzuführen. 

No. 4 – Reflexion und Feedback

Damit Du Deine Ziele nicht aus den Augen verlierst und vor lauter Alltag und Gewohnheit Deine Erinnerungshilfen irgendwann übersiehst, ist es wichtig zwischendurch zu reflektieren. Was hast Du bereits verändert? Was genau willst Du noch erreichen? Welche Übungen klappen gut, welche weniger? 

Nimm Dich ruhig auch noch mal auf und schaue und höre nach Veränderungen. Übrigens kannst Du auch nette Kollegen oder Freunde fragen, ob sie Dir Feedback zu Deiner Wirkung und Stimme geben wollen. Auch das kann sehr erkenntnisreich sein. Wichtig: Erstmal nur wundern über Dinge, die Dir vielleicht noch nicht aufgefallen sind oder die Du noch nicht verändern konntest – nicht ärgern. Starte lieber die Schritte – Bewusstsein schaffen, Unterschiede provozieren, Gewohnheiten kreieren und Reflexion – wieder von vorne. Man lernt schließlich nie aus 🙂

Zugegeben, manche Parameter sind schwieriger zu verändern und bewusst zu machen, als andere. Und manche Stimmen brauchen unbedingt professionelle Unterstützung – ganz besonders, wenn sie schon Krankheitserscheinungen zeigen! Doch auch hier ist das Lenken der Aufmerksamkeit auf die Stimme, den Körper, die Atmung und die vorherrschenden Denkweisen schon unglaublich viel wert. Stimmtraining muss kein langwieriger Prozess sein und vor allem keine stundenlangen Trainingseinheiten pro Tag fordern. Kleine Schritte mit klarem Ziel bringen Dich genauso voran und sind realistisch in den Alltag integrierbar. 

Also: Ab spätestens heute zählen Deine Ausreden nicht mehr. Packe Deinen Forscher aus und lege Deinen Fokus auf Deine wichtigsten Kommunikationsinstrumente – Deine Stimme und Körpersprache.

 

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