Systemtheorie

 In Business, Innere Haltung, Kommunikation, Methodik, Sonstiges

Dem Spielzeug fehlt ein Rad (Ursache), deshalb kann es nicht mehr fahren (Wirkung). Bringe ich ein neues Rad an (Lösung), ist es wieder funktionsfähig. Wieso kann nicht einfach alles nach diesem Ursache-Wirkungs-Prinzip erklärbar sein? Das wäre so schön unkompliziert und die Lösung für jegliche Probleme so einfach: Etwas passiert, ich finde die Ursache, repariere das Ganze und das Problem ist gelöst. 

Die Realität im sozialen Leben sieht meist anders aus. Zu hoch die Komplexität von sozialen Gefügen. Das Erklärungsmodell reicht dann leider nicht mehr aus. Diese Erfahrung von völliger Ahnungslosigkeit wieso und weshalb eine Situation so ist wie sie ist oder sich dorthin entwickelt hat, hat sicherlich jeder von Euch in seinem Leben schon mal gemacht. Dazu dann eine Lösung zu finden – schwierig. Zu viele Faktoren spielen eine Rolle und müssen zwangsweise in die Lösungssuche oder Erklärungsversuche mit einfließen. Das Auswechseln eines Rads reicht einfach auf lange Sicht nicht aus… 

Systemtheorie

Die Systemtheorie hat sich in den 1940er-Jahren entwickelt, um diese komplexeren Zusammenhänge erklärbar oder sichtbar zu machen – u.a. auch in der Humanwissenschaft.

Ein System besteht aus verschiedenen Elementen. In der personalen Systemtheorie also aus denkenden und handelnden Personen. Es wird durch die Beziehung zwischen den Elementen aufrecht erhalten (im sozialen System die Kommunikation), wird durch soziale Regeln und Regelkreise (wiederkehrende Verhaltensmuster) bestimmt und grenzt sich zur Systemumwelt ab. Die subjektiven Deutungen – also Gedanken und Empfindungen – der Personen im System bestimmen den Zustand des sozialen Systems zusätzlich. Ein System definiert sich selbst und strebt nach einem Gleichgewicht. Verändert sich ein Systemelement, verändern sich auch die anderen Strukturen und streben wieder nach einem stabilen Gleichgewicht. 

Alles dreht sich im Kreis

Die Systemtheorie geht weg von gradlinig-kausalen – hin zu zirkuläre Erklärungen. Denn wenn die Elemente eines Systems vernetzt und in Wechselwirkung zueinander stehen, können wir nicht mehr objektiv entscheiden, was Ursache und Wirkung ist. Denkt hierbei mal an die Henne-Ei-Problematik.

Logische Verknüpfungen und Gesetzmäßigkeiten/Muster oder Regelkreise (wenn…, dann…) können mit Hilfe der Systemtheorie beschrieben werden. Sie sind wiederum von den subjektiven Empfindungen und sozialen Regeln beeinflusst. 

Veränderungen im System können durch sogenannte „Perturbationen“ – also Störungen herbeigeführt werden. Musterunterbrechungen beispielsweise. Um Muster zu unterbrechen, müssen sie natürlich erst einmal erkannt und bewusst gemacht werden. 

Erschaffe Dir die Wirklichkeit 

Darüber hinaus ist ein Blick auf den Konstuktivismus spannend. Er stellt die Hypothese auf, dass sich jeder seine Wirklichkeit selbst erschafft oder konstruiert. Menschliches Erleben und Lernen ist ausgehend dieser Theorie durch verschiedene Prozesse beeinflusst. Unsere Wahrnehmung also gefiltert durch Erfahrungen, Überzeugungen, Stimmungen, sozialen -, kognitive -, neuronalen Prozesse.

Durch richtiges Zuhören und Fragen stellen und immer wieder überprüfen, ob ich richtig verstanden habe kann ich einen Blick in die Wirklichkeit meines Gegenübers werfen. 

Stimmtraining im System

Störungen der Stimmfunktion oder des Stimmapparats sehen auf den ersten Blick häufig sogar nach einem „einfachen“ Ursache-Wirkung-Prinzip aus. Stimmbandknötchen (Ursache) führen zu einer heiseren, wenig belastbaren Stimme (Wirkung) und sind durch logopädische oder phonochirurgische Interventionen heilbar (Lösung). Vergesse ich jedoch den Blick auf das System, die Umwelt und Verhaltensmuster, ist ein „Rückfall“ oder eine gar erfolglose Intervention wahrscheinlich. Zu komplex und abhängig von vielen Faktoren ist der Einsatz unserer Stimme in den verschiedenen Kommunikationssituationen, die wir tagtäglich meistern. 

Systemisches Denken im Stimmtraining oder der -therapie hilft, einen langfristigen positiven Effekt auf den Stimmgebrauch zu erzielen. Wir spüren Muster auf, machen sie bewusst und „stören“ das System. 

 

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