Dick auftragen! Die ganz großen Gefühle. Über Emotionen in der Stimme

 In Innere Haltung, Reden, Sonstiges, Stimme allgemein

Emotionen sind heiß begehrt! Wir wollen sie wecken, transportieren und fühlen. Wenn es darum geht Menschen zu erreichen oder von einer Idee zu überzeugen, geht kein Weg an Ihnen vorbei. Sie sollen mitreißen und begeistern!

Besonders die strahlenden unter Ihnen, wie Freude, Enthusiasmus oder Begeisterung sind da gefragt. Negative Emotionen wie Ärger oder Wut dagegen sind in unserem Arbeitsalltag weniger beliebt, aber natürlich genauso vorhanden.

Emotionen sind hörbar

Welcher Art sie auch sind, unsere Emotionen beeinflussen unseren stimmlichen Ausdruck entscheidend. In unserer Körpersprache und besonders in unserer Stimme lassen sie sich kaum verbergen.
Das macht unsere alltägliche Sprechweise lebendig. Ganz automatisch passen wir unsere Sprechweise der Situation an, pegeln die Lautstärke, die Intensität, spielen mit Tonhöhe und Tempo. Jede Emotion zeigt sich durch bestimmte sprecherische Merkmale.

Befindest Du Dich dagegen in einer Sprechsituation in Deinem Arbeitsalltag, ist eine Transparenz der Gefühle nicht immer angebracht und in Deinem Sinne.
Also kann es passieren, dass Du Dich und Deine Persönlichkeit zurück nimmst.
Damit limitierst Du Deine „Angriffsfläche“, allerdings auch Deine Ausdruckmöglichkeiten. Dabei ist die Modulationsfähigkeit Deiner Stimme und Sprechweise das Tool, um wirklich auszudrücken, was Du ausdrücken möchtest.

Und um Stimmungen und Ängsten nicht ausgeliefert zu sein, sondern bewusst über Deinen Ausdruck zu entscheiden.

Mut zum Übertreiben

Um die Dimensionen der einzelnen Emotionen in der eigenen Stimme kennen zu lernen, sind Ausflüge in die Extreme sehr hilfreich.

Diese beiden (schau)spielerischen Übungen wollen Dich zum Übertreiben animieren, um wirklich differenziert in die verschiedenen Emotionen hineingehen!

#1
Folgenden Text benutzt Du als Dummy:

„Hallo! Mein Name ist… Heute spreche ich über…“

Hier kannst Du Dir auch das unrealistischste der Welt überlegen, es geht nicht um den Inhalt, sondern darum diesen Text in verschieden Emotionen zu sagen.
Wiederhole ihn ruhig öfter hintereinander bis Du das Gefühl hast, es richtig zu meinen. Dann begib Dich in die nächste Runde.

Runde 1: glücklich
Runde 2: ernst / seriös
Runde 3: begeistert /verkaufend
Runde 4: streng / anweisend

Nimm wahr: was verändert sich in Deiner Stimme? Wie fühlt sich das an?

Klar, große Gefühle herzustellen, wie totale Begeisterung, fühlt sich vielleicht übertrieben an. Vielleicht kommt Dir das auch total unauthentisch vor!
Betrachte diese Übung als da, was sie ist: eine Übung, ein Training, um diese Varianten Deiner Stimme kennen zu lernen. Im Alltag sind es dann Nuancen die davon die übrig bleiben, aber den Unterschied machen.

Authentisch heißt stimmig.

Authentisch ist eine Übereinstimmung zwischen dem innerem Erleben, also den eigenen Gefühlen und der Äußerung, den Emotionen Du äußerst.

Sollte es sich noch nicht so richtig stimmig angefühlt haben, dann bring Dich in Stimmung, damit es sich richtig anfühlt. Denn wenn du begeistern willst, musst du es auch selber sein.

Arbeite im nächsten Schritt mit dem Subtext.
Im Schauspiel ist das die Intention, die Motivation die unter dem Gesagten liegt. Wenn die klar ist, folgt die Stimme automatisch.

#2
Das heißt sprich Deinen Subtext aus und bau ihn laut in Deinen Text ein, wiederhole ihn nach ein paar Worten und bring Dich damit wie mit einem Mantra in das Gefühl.

Runde 1: „Ich freu mich so!“ (glücklich)
Runde 2: „Das ist wichtig!“ (ernst / seriös)
Runde 3: „Stellt Euch mal vor!“ (begeistert /verkaufend)
Runde 4: „Hört gut zu!“ (streng / anweisend)

Probiere damit rum, hab Spaß daran wie albern sich das anfühlt und beobachte: Verändert sich Dein Gefühl? Was macht Deine Stimme?

Im Alltag kannst Du auch mit Deinem Subtext arbeiten, um Dich vor einer Sprechsituation, einem Gespräch, einer Präsentation in Stimmung zu bringen. Denn natürlich sind es nicht immer die großen Emotionen, die unseren Alltag bestimmen. Aber je trainierter Deine Stimme ist umso einfacher gelingt es Dir dennoch Deine Absicht stimmlich sichtbar werden zu lassen und vielleicht sogar in Stimmung zu kommen.

Emotion bedeutet der Übersetzung nach „herausbewegen“.
Emotionen bewegen sich mit der Stimme heraus und bewegen dein Gegenüber. Gönn Dir ab und zu Mut zum Gefühl, denn ein zurückgehaltenes Gefühl wird sich nie herausbewegen und Emotionen im Gegenüber auslösen!

Genug über Gefühle geredet, jetzt heißt es fühlen;)

  • Bettina Storm
    Bettina Storm

    Bettina Storm ist ausgebildete Schauspielerin und absolviert ihr Masterstudium „Speech Communication and Rhetoric“ an der Universität Regensburg. Sie arbeitet als Theaterschauspielerin und Sprecherin in und um Köln und gibt schauspielerische Workshops für junge Menschen.

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