Dein Körper ist Dein Instrument – ist Sport gut für die Stimme?

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Der Titel sagt es eigentlich schon: JA! Sport ist grundsätzlich gut für die Stimme. Und wenn man es in einem Satz sagen möchte: Jede sportliche Betätigung, während und nach der man sich gut fühlt, ist für jede andere Aktivität förderlich! Ein gesunder Geist wohnt schließlich in einem gesunden Körper, nicht wahr? Und auch ohne vom Fitnesswahn infiziert zu sein, können wir unterschreiben, dass körperliche Gesundheit nur mit einer gewissen Dosis an Bewegung zu erreichen ist.

Was hat das aber alles mit der Stimme zu tun?

Sehr viel, wie wir gleich herausfinden werden. Der wichtigste Punkt hierbei: Die Stimme ist Teil des Körpers! Alles, was schlecht ist für den Körper, kann indirekt auch schlecht für die Stimme sein.

Außerdem ist die Stimmproduktion ein Zusammenspiel von verschiedenen Muskelgruppen und Organen, und deren Funktion kann man auch gezielt mit bestimmten Sportarten unterstützen.

Sportliche Aktivität optimiert die Stimmfunktion durch Verbessern der Herz-Kreislauf-Tätigkeit  und der Kondition – das merkt man am meisten am Atem.

Mal ordentlich schwitzen: Endorphine (Glückshormone) werden freigesetzt und der gesamte Muskeltonus wird verbessert.

Sport kann dabei helfen, höher zu singen und mit einer klaren Stimme, weniger Anstrengung, aber mehr Energie und Ausdruck zu sprechen.
Wenn Du das für Dich und die Tageszeit am besten geeignete Workout gefunden hast, verbessern sich auch Konzentration und Fokus, Du fühlst Dich entspannt und belebt und kannst noch besser den Herausforderungen Deines stressigen Alltags begegnen.
Wenn Du stimmgesund sporteln möchtest, gibt es aber auch ein paar Dos und Don´ts:

Do:

Wichtiger Stimmauftritt? Lege eine halbe Stunde kräftiges Workout ein!

Suche Dir eine Sportart aus, die Dir Spaß macht, aber auch anstrengend ist – Atem und Herzschlag sollten ordentlich schnell gehen!
Gewöhne Dir einen bestimmten Ablauf an, der zu Deinem Lebensstil, Klima und Wohnort passt.

Beachte hierbei:

Es ist schön, verschiedene Aktivitäten in der Woche abzuwechseln, um es interessant zu halten.

Bau Dir eine Routine, die Du auch unterwegs (auf Geschäftsreise, im Urlaub) durchführen kannst.

Du kannst auch schon nachhaltig denken und Dir eine Routine aufbauen, die Du Dein ganzes Leben durchhalten kannst – so wie Zähneputzen. Das macht es nämlich sehr einfach, dabei zu bleiben.

Die besten Sportarten für Sänger und Berufssprecher

Diese Empfehlungen sind natürlich wieder mal Deinem Forschergeist unterworfen. Wie schon eingangs erwähnt: Tue was Dir gut tut, dann tut es wahrscheinlich auch Deiner Stimme gut.
Die folgenden Sportarten haben allerdings schon ihre heimlichen Vorteile…
Ausdauerschwimmen ist die beste Sportart für eine kräftige Stimme. Lungen und Herz werden genauso wie die Bauchmuskeln optimal trainiert, der Rücken gedehnt und gekräftigt, die Zwischenrippenmuskeln werden stärker, Deine Atemkapazität wird erhöht und die Kehle bekommt ein schönes Stretching.

Ein kräftiges halbstündiges Schwimmtraining vor einem Auftritt beruhigt die Nerven, dehnt die Lungen und startet die Endorphinproduktion. Eine halbe Stunde Stimmtraining danach macht die Sache perfekt…

Achtung: Achte beim Schwimmen darauf, dass Du Dich nicht erkältest. Gut abtrocknen und Föhnen, und wenn Du empfindlich an den Ohren bist, verwende Stöpsel. Nicht zu viel im eiskalten Meer schwimmen, dann bekommst Du vielleicht sowas (iih):
Yoga und Kampfsport sind super für die Stimme, weil sie sehr ganzheitlich arbeiten. Das Training beinhaltet viel Atemarbeit und schult eine gute Körperwahrnehmung. Außerdem helfen alle diese Sportarten auch dabei, mentale Stärke zu erlangen und so zu Beispiel weniger anfällig für Lampenfieber zu sein. Sie verbessern Haltung, Ausrichtung und Atemkontrolle und geben Energie und Selbstvertrauen.

Yoga fördert Kraft, Balance, Flexibilität, Atemkoordination, geistige Klarheit, Konzentration und Entspannung. Das Körpergefühl wird verbessert und Du lernst Spannung und Entspannung genau koordinieren.

Tai Chi und Qi-Gong stärken Koordination und Balance und stärken die Verbindung zum Atem. Gleichzeitig übt man, die eigene Energie zu fokussieren und übt so Konzentration und Ausstrahlung.
Karate, Taekwando, Aikido und Judo sind auch gute Sportarten, man sollte allerdings ein bisschen auf Verletzungsgefahr und zu lautes Schreien aufpassen…
Fahrradfahren, Laufen, Wandern, Walking, Inlineskaten, Klettern oder doch drinnen auf dem Crosstrainer: Alles super Sportarten, aber achte auf Deine Haltung, besonders in der Schulterpartie!

Und falls Du in der Großstadt lebst: Besser nicht an viel befahrenen Straßen trainieren, die Abgase sind logischerweise nicht so gut für Körper und Stimme.

Besser: In Parks oder Grüngürteln, ab besten am frühen Morgen oder nach Sonnenuntergang!

Wenn Du draußen trainierst: Schütze Deine Kehle

Vermeide es, an sehr kalten Tagen draußen zu trainieren, besonders wenn Du einen Auftritt hast. Die eisige Luft trocknet Deine Lunge und Deinen Rachen aus.

Wenn es sehr trocken ist, egal ob heiß oder kalt, trinke zwei Gläser Wasser extra am Tag. Ansonsten reichen ca. zwei Liter täglich, um die Stimme fit zu halten.

Bei sehr heißem Wetter vermeide schwere körperliche Aktivität draußen, das dehydriert die Stimme richtig und kann zusammen mit hohen Ozonwerten zu Heiserkeit führen.

Don´t:

Es gibt auch einige Sportarten, die nicht ideal sind, wenn man seine Stimme auf Hochleistungsniveau braucht. Natürlich ist wie bei allem im Leben die Dosis entscheidend:

Exzessives Training mit Gewichten ist vor allem für Männer nicht so empfehlenswert. Gewichtheber entwickeln oft Rundrücken, vorspringende Nacken, verspannte Schultern und Bauchmuskeln. Das Ergebnis auf stimmlicher Ebene ist eingeschränkter Tonumfang (bei Sängern), verminderte Lungenkapazität und Resonanz. Wenn Du unbedingt Bodybuilding machen möchtest, achte darauf, dass das Training nicht darauf abzielt, Muskelmasse in Nacken und Schultern aufzubauen, sondern auf das Stärken aller Muskelgruppen. Für Mädels: Ein bisschen Gewichttraining ist gut für die Bauchmuskeln – die sind bei uns eher ein bisschen zu weich. 😉

Liebe Aerobictrainer und Cheerleader,
passt auf Eure Stimmen auf… Das häufige Schreien über laute Musik hinweg oder im Stadiongetöse kann vor allem den Farbenreichtum und die Kraft der Stimme vermindern.
Resonanz und Tonumfang leiden auch. Auch wichtig: Zu feste Bauchmuskeln schränken auch die Flexibilität der Stimme ein!

Fortgeschrittenes Tanztraining und Ballett hat seine Vor- und Nachteile…
Vorteile sind sicherlich eine bessere Haltung, straffe und flexible Muskeln. Sobald man professionell Ballett tanzt kommen aber auch körperliche Nachteile dazu, die auch die Stimme betreffen. Die größten
Probleme kommen dann von Untergewicht, kurzem, flachen Atem und zusammengezogener Rippenmuskeln.


Marathonläufer bekommen häufig Probleme mit der Stimme. Heiserkeit und trockener Hals durch schwere Atmung durch den Mund, niedriges Körpergewicht und verringertes Muskelgewebe sind keine gute Voraussetzung für eine klangvolle Stimme, geschweige denn für eine Sängerkarriere. Sich ein paar Mal im Leben so ein Trainingsziel zu setzen ist natürlich sehr löblich, aber dauerhaftes Training auf diesem Level ist nicht zu empfehlen, wenn man auf ein funktionsfähige, gesunde und ausdrucksfähige Stimme angewiesen ist. Da wir allerdings keine Marathonläufer sind, hören wir auch gerne Eure Erfahrungen!!!

 

Und was sind Deine Lieblingssportarten? Merkst Du einen Effekt auf Deine Stimmqualität, wenn Du vor dem „Auftritt“ Sport getrieben hast?! Kommentare hier unten oder auf unserer Facebookseite sind natürlich herzlich willkommen!

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