Der Ohrwurm – Musik im Kopf

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Wer kennt es nicht, das manchmal nervige, manchmal schöne Tier, das sich von Zeit zu Zeit in unserem Musik- und Sprachzentrum einnistet? Ohrwürmer befallen nachweislich 95% Prozent aller Menschen, mindestens einmal pro Woche.  Frauen und natürlich Musiker sind etwas empfänglicher für diese „musikalischen Halluzinationen“, wie es Manfred Spitzer in seinem Buch „Musik im Kopf“ formuliert. Solche Halluzinationen oder Spiegelungen gibt es in keinem anderen unserer Sinne, „Augenwürmer“ und „Nasenwürmer“ sind (Gott sei Dank) nicht bekannt.
Verschiedene Studien haben sich in den letzten Jahren mit diesem Phänomen auseinandergesetzt, den wirklichen Grund für und vor allem ein wirksames Gegenmittel gegen Endlosschleifen von „Atemlos“ in unserem Köpfen hat man allerdings noch nicht klären können…

Hier ist, was wir wissen:

Um ein Ohrwurm zu werden, muss man kein vollständiges Musikstück sein. Vor allem prägnante Passagen, die leicht wiederholbar sind und im Idealfall aus drei verschiedenen Tönen bestehen, haken sich gerne fest. Häufig sind es sich wiederholende Motive oder kurze harmonische Folgen, die sich gut immer wieder aneinanderreihen lassen.

Ohrwürmer bleiben eine halbe bis mehrere Stunden in unserem Kopf – und kommen meist nicht zweimal am Tag.

Sie finden den Weg in unser Hirn am leichtesten in Situationen, in denen wir gelangweilt, geistig unterfordert oder unkonzentriert, müde oder mit Routinen beschäftigt sind. Vor allem das Sprachzentrum sollte beschäftigt sein, um Ohrwürmer fernzuhalten. Während ich diesen Text schreibe, hat kein Ohrwurm eine Chance, so sehr ich auch horche! Auch soll es angeblich helfen, Kaugummi zu kauen, weil dann der Artikulationsapparat arbeitet und so auch indirekt das Sprachzentrum. Hat bei mir persönlich allerdings noch nie funktioniert… 🙂

Die Ohrwürmer sucht sich unser Gehirn nach verschiedenen Kriterien aus:

Bekanntheit: Lieder, die wir gut kennen, haben wir schneller als Ohrwürmer. Aber: Am besten kennen wir sie noch nicht so lange! Deswegen sind aktuelle Hits oder grad entdeckte Lieblingslieder prädestiniert, um ein Ohrwurm zu werden.

Erinnerungen und Gefühle: Bestimmte Situationen, Orte oder Menschen verknüpfen wir mit bestimmten Liedern. Und zack – beamt uns der Ohrwurm in den Urlaub oder die Schulzeit oder die erste Liebe zurück… Oder der Anblick einer Postkarte, eines Fotos oder der Geruch eines bestimmtes Essens beschert uns einen Ohrwurm.

Auslöser von Ohrwürmern können natürlich auch Musikfetzen sein: Ob sie unser Nachbar gesummt hat, das Radio im Supermarkt uns triggert oder eine piepsige Handymelodie – egal. Danach spielt unsere Jukebox im Hirn ein paar Stunden unsere Version des Hits.

Schonmal aufgewacht und Musik im Kopf gehabt? Im Gegensatz zu Gerüchen können wir Geräusche sehr wohl träumen – und wissen dann direkt, was wir unter der Dusche singen müssen. Das Warum ist allerdings nicht immer klar, denn oft ist das einzige, was aus unserem Traum übrig bleibt, der Ohrwurm. Wenn wir Pech haben, kann uns auch das Gegenteil passieren: Wir träumen von einem Song, wachen davon auf und können dann nicht mehr einschlafen, weil uns der Ohrwurm wachhält – besonders, wenn wir das Stück nicht zu Ende bringen können. Ist mir schon passiert. Nicht schön.

Wobei Ohrwürmer allerdings helfen können, ist beispielsweise beim Laufen. Statt die Playlist im Ipod immer dieselbe Passage im idealen Lauftempo zu „hören“ kann sehr meditativ sein und uns helfen, rhythmisch zu atmen. Auch bei repetitiven Arbeiten wie Wohnung streichen, Unkraut hacken oder schmirgeln ist ein Ohrwurm nicht schlecht, vorausgesetzt, wir mögen ihn. Diese rhythmische Unterstützung der eher gedankenlosen Tätigkeit haben sich schon die Feldsklaven auf den Baumwollfeldern zu Nutze gemacht und so die Grundsteine von Black Music, das was heute R´n´B und Hip Hop ist, gelegt!
Ungeliebte Ohrwürmer lassen sich zumindest kurzfristig durch lautes Singen eines anderen Ohrwurms unserer Wahl verdrängen. Oder Musik hören. Sehr gut funktioniert für mich immer „It´s the final countdown! De-de deh deh, de-de de de deh…“ 

 Was sind Eure schlimmsten oder besten Ohrwürmer? Welche Tipps und Tricks funktionieren bei Euch? Schreibt uns in den Kommentaren oder auf Facebook!

 

 

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