Führen und vereinen – mit Frauenstimme wirken!

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Same but different – Männer und Frauen kommunizieren und führen anders

 

Obwohl die Emanzipation von sowohl Frauen als auch Männern objektiv gesehen schon sehr weit gediehen ist, und obwohl sich die Arbeitswelt langsam (okay, sehr langsam) an Frauen in Führungspositionen gewöhnt, gibt es eben dort immer noch unleugbare Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Stichwort Frauenquote, Gender Pay Gap, Elternzeit und so weiter.

Fachkompetenz ist gegeben, fast genau so viele Mädchen wie Jungs gehen studieren. Doch trotzdem scheint es für Frauen immer noch schwieriger zu sein als für Männer, sich in dieser Rolle zu sehen und einzufinden.

Wenn es um Führen von Unternehmen, Mitarbeitern und Teams geht (oder um das Verkaufen von hochpreisigen Angeboten), ist die Schlüsselkompetenz klar die Kommunikation. „Das können Frauen doch super“, sagt jetzt der eine, „die quasseln doch sowieso am laufenden Band!“ Dass es aber auch Kommunikationsfallen im Umgang von weiblichen Führungskräften mit insbesondere männlichen Mitarbeitern gibt, haben wir HIER schon einmal ausführlich behandelt.

 
Doch welche Merkmale in Stimme, Sprechweise und Kommunikationsverhalten sind wichtig, um souverän und kompetent zu wirken, sicher zu führen und zu präsentieren und sich gegen männliches Dominanzverhalten durchsetzen zu können? Welche speziell dem weiblichen Geschlecht zugeschriebenen Stärken sollten (Führungs-) Frauen nutzen, um die Kommunikation im Unternehmen positiv und produktiv zu gestalten?


Der weibliche Stimmklang: Starke Wurzeln und zartes Rascheln in der Krone


Das, was wir bei Stimmen als vertrauenswürdig und kompetent bewerten, sind die tieferen Lagen des individuellen Stimmumfangs – allerdings relativ unabhängig von der Tonhöhe. Viel wichtiger ist, dass die Stimme sich in und um einen Bereich bewegt, in dem sie sehr entspannt und effizient funktionieren kann.

Diesen „stimmlichen Heimathafen“ (I. Amon) und wie man/frau ihn findet, haben wir in diesem Artikel schon einmal genauer beleuchtet.

Eine entspannte Stimme haben wir vor allem, wenn wir insgesamt entspannt sind. Die Stimme ist schließlich „nur“ eine weitere Körperfunktion. Genauso wie sich durch Angst und Stress Verspannungen in Schultern und Nacken bilden oder der Verdauungsapparat reagiert, geschieht in Situationen, in denen wir mentalen oder psychischen Druck verspüren, etwas mit unserem Stimmapparat:

Der Kiefer verkrampft sich, der Zungengrund verspannt, die Muskeln um den Kehlkopf herum spannen an und verhindern eine freie Beweglichkeit.
Selbst die Stimmbänder reagieren und spannen sich an, die Stimme wird tendenziell höher.
Die Atmung verflacht, weil der Bauch sich anspannt und wird im Extremfall zur Hochatmung.

Das alles bewirkt, dass der „Unterbau“ des Stimmklangs, also die tieferen Frequenzanteile, verschwindet. Die Stimme wird als weniger souverän wahrgenommen, klingt angespannt und unsicher, oft schrill und unangenehm quäkig. Und so wirkt dann leider auch die ganze Person, trotz Doktortitel und Berufserfahrung.

 

Sind Männer einfach souveräner?


Männer können dadurch, dass ihre Stimme sowieso tiefer ist, diese Wirkung ein wenig kompensieren. Aber wer mal darauf achtet und die Stimmen von Kollegen, Verwandten oder Freunden in einer Alltagssituation mit einer Rede, beispielsweise bei einer Feier, vergleicht – der wird auch bei den Herren der Schöpfung deutliche Unterschiede feststellen können.

Entspannung des Atem- und Stimmapparates, vor allem auch durch das Entspannen der inneren Haltung, ist also das Wichtigste. Tipps hierzu findest Du zum Beispiel hier: Mutiger in zwei MinutenMach Dich locker – aber schnell!
Die Frauenstimme hat aber der Männerstimme eins voraus: Sie kann viel besser Emotionen kommunizieren. Der Ausdruck von Gefühlen findet nämlich vor allem in den hohen Frequenzen statt, die in Männerstimmen wesentlich schwächer vertreten sind.

Das wird den Frauen, besonders denen in Führungspositionen, oft als Nachteil verkauft. In der heutigen Geschäftswelt zählen oft immer noch veraltete Kommunikationsmuster als Ideal: Kühl und frei von Gefühl soll über geschäftliche Themen gesprochen werden. Dabei wissen wir heute, dass gute Führung nicht gefühlsneutral geschieht, sondern immer die persönliche Ausstrahlung, das Menschliche, die Begeisterung und Leidenschaft für das Projekt kommuniziert!

Die hohen Frequenzen, die Gefühlsanteile in der Stimme sind auch dafür verantwortlich, dass Frauen besser darin sind, emotionale Bindung (ob zwischenmenschlich oder zu einem Projekt) bei anderen herzustellen. Die weibliche Kommunikation ist sozusagen der soziale Klebstoff in einer Gruppe, sei es die Familie oder das Unternehmen!

 

Souveränität und Durchsetzungskraft: Vom Alpha-Männchen abgeschaut statt vom Heimchen am Herd übernommen

 

Das „Heimchen am Herd“ hat einige Angewohnheiten, die es ihm nicht gerade leicht machen, Mitarbeiter zu führen, sich selbstbewusst ins Rampenlicht zu stellen und seine Ideen und Überzeugungen „an den Mann“ zu bringen.  Vor allem, weil diese noch traditionell einen sehr männlichen Führungsstil gewohnt sind, tun Frauen gut daran, wenn sie bestimmte, evolutionär fest verankerte Merkmale von Autorität und Führung demonstrieren.

Konkret bedeutet das: Aufrechte, offene Körperhaltung, die Furchtlosigkeit und Präsenz signalisiert.

Eine innere Haltung (und hier vor allem auch alte, verknöcherte Glaubenssätze über Geschlechterrollen aufspüren und verändern), die der Frau erlaubt, sich in einer Machtposition oder im Rampenlicht wohlzufühlen.
Zur Erinnerung: Bis wir ungefähr vier Jahre alt waren, war das selbstverständlich. Und dann lernen vor allem Mädchen, dass Bescheidenheit eine Tugend und “Bestimmer“ sein nicht erwünscht ist. Diese Konditionierung aus der frühen Kindheit für ein in eine Führungsposition passendes Selbstverständnis wieder loszuwerden, ist sehr schwer und langwierig, leider. Sich bewusst zu werden, dass die Position im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und als Trägerin von Verantwortung und Autorität durchaus verdient und gerechtfertigt ist, ist etwas, was viele weibliche Führungskräfte erst „üben“ müssen.

Was fehlt noch, um stimmlich die Führung zu übernehmen und sich dem männlichen Machtverhalten anzunähern?

Zum Beispiel betont souveräne Sprechweise durch „feste Stimme“, gemäßigtes Sprechtempo, kräftiger Stimmklang, wenig emotionale Höhen (sachlich bleiben, bitte ;-)), kurze Sätze und nicht zuletzt Pausen, die es auszuhalten gilt…

 

Kommunikation: Äußere Klarheit durch innere Klarheit

 

Auch in der täglichen Kommunikation ist es wichtig, Unsicherheiten gar nicht erst aufkommen zu lassen – weder bei einem selbst noch bei den Mitarbeitern. „Klare Gedanken für klare Artikulation“, plädiert Kristin Linklater.

Diese Gedanken beginnen mit unserem „Warum?“:
Warum bin ich in dieser Position?
Was wünsche ich mir für das Unternehmen, meine Mitarbeiter, meine Kunden, mich selbst?
Für welche Werte und Ziele stehe ich persönlich?
Kommuniziere ich diese Werte auch konsequent – oder sage ich auch manchmal Dinge, hinter denen ich nicht stehe, die ich aus Angst vor Kritik oder Blöße aber nicht richtig stelle?

Klarheit in mir selbst zu finden, diese gefundenen Wahrheiten auch auszusprechen, sie meine Gedanken und mein Tun durchdringen zu lassen, ist der Anfang. Automatisch werde ich dann auch die richtigen Worte finden, wenn ich weiß, was ich warum und zu wem sagen will.

 

Gehört werden wollen

 

Und wenn ich mir sicher bin, dass ich auch gehört werden will, dass ich will, dass meine Werte in meinem Umfeld wahrgenommen werden –  dann erledigen sich „Schwächen in der Sprechweise“ wie Nuscheln oder eine zu leise Stimme zu großen Teilen von selbst!

Was die Wortwahl angeht, gilt vor allem für Aufträge an Mitarbeiter dasselbe: Formuliert unmissverständlich, ohne unnötige Konjunktive und mit klaren Vorgaben, zum Beispiel für die Deadline. Ein freundlicher Tonfall ist natürlich trotzdem besser als knappes Anschnauzen…

Und dann gilt nur noch: Üben! Raus ins Rampenlicht, an die Mikrofone, in die Hörsäle und an die Präsentationsleinwände.
Macht doch mal unsere kostenlose 5-Tage-Voice-Challenge! Zeigt anderen Frauen, wie es geht. Tut Euch zusammen, gebt Euch gegenseitig Feedback und bietet Eurem inneren Patriarchat die Stirn.
Gebt dieses neue Rollenverständnis an Eure Töchter (und auch an Eure Söhne!!) weiter – damit sie gar nicht erst die Rampensau in sich verlieren…

 

 

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