(Don´t) Drop the Mic! – Sprechstimme verstärken mit dem Mikrofon

 In Körpersprache, Präsentation, Präsentieren, Reden, Richtig Reden, Sonstiges, Vortrag, Vortragen

Schonmal erlebt? Du hörst auf einer beliebigen Veranstaltung einem beliebigen Redner zu und verstehst – nichts. Der gute Mann (oder die Frau) hat zwar ein Mikrofon, aber alles, was aus den Boxen der Verstärkeranlage kommt, ist ein penetrantes Fiepen, während der Tontechniker versucht, die Lautstärke zu erhöhen. Klarer Fall von Unerfahrenheit und falschem Umgang mit der Technik – die uns doch eigentlich beim Sprechen unterstützen soll, oder?
Denn je nach Größe und Akustik des Saals ist ein Mikrofon manchmal unbedingt notwendig, um sicherzustellen, dass Dich alle gut verstehen können.

Vorweg gesagt: Wir sind der Meinung, dass in akustisch annehmbaren, kleinen bis mittleren Räumen/Sälen und mit einem Publikum von bis zu 50-60 Leuten ein Mikrofon nicht unbedingt nötig ist, sondern dann eher zu viel ablenkt (den Redner und das Publikum). Versuche es also erstmal ohne, denn Deine Stimme wird auch dadurch gekräftigt, dass Du laut sprechen musst, und Deine innere Haltung „das ist wichtig, ich will gehört werden“ unterstützt das natürlich.
Wenn Du mit einem Mikrofon sprechen musst, wird sich meist vor und während Deines Auftritts ein Tontechniker darum kümmern, dass Dein Mikro richtig eingestellt ist und Du zu hören bist.

Aber einige Dinge solltest auch Du als RednerIn beachten, um möglichst viele Möglichkeiten der Technik auszuschöpfen.

 

Was sind also die wichtigsten Regeln im Umgang mit Mikrofonen bei einer Rede oder Präsentation?

 

Welches Mikrofon benutze ich?

Es gibt verschiedene Typen von Mikrofonen, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Es schadet sicher nicht, sich über dieses Thema etwas genauer zu informieren, wenn Du regelmäßig auf Bühnen stehst und dabei der Technik oft geradezu ausgeliefert bist.

 

Mikrofon am Rednerpult

Die ungünstigste Variante ist sicherlich das feststehende Mikrofon, das zu allem Überfluss auch noch am Rednerpult befestigt ist.
Es nagelt Dich quasi hinter ebendiesem Rednerpult fest (obwohl Du ja damit eine Barriere zum Publikum aufbaust, wie Du vielleicht schon weißt). Hinzu kommt der Drang, sich am Pult festklammern zu wollen – das macht einen unsicheren, instabilen Eindruck. Und eventuell ist es auch noch zu hoch oder niedrig eingestellt, was in sehr unsouveränen Verrenkungen des Redners enden kann. Der beste Weg, mit einem solchen Mikrofon umzugehen: Ein anderes verlangen oder ohne sprechen. Wenn das nicht geht: Frei und stabil hinter dem Pult stehen, nicht festhalten! Und nimm Dir vorher genügend Zeit, das Mikrofon auf Deine Größe einzustellen. Mehr kann selbst der beste Redner nicht tun…

 

Handmikrofon

Die zweite Variante, die man oft antrifft, ist das Handmikrofon. Wenn man Glück hat, in der Funkversion (obwohl auch das manchmal zu Tonausfällen führt), dann ist die Stolper- und Verhedderungsgefahr schonmal eingeschränkt. Das größere Problem ist die Handhabung. Die Tatsache, dass das Mikro in unserer Hand ist, löst zwar das Problem „was mache ich mit meinen Händen“, aber diese Hand fehlt uns dann auch zum Gestikulieren! Und wenn wir mit Mikro in der Hand gestikulieren, werden wir mit dem zweiten Problem konfrontiert: Du solltest möglichst nah mit Deinem Mund an der Mikrokapsel (das dicke Ende, in das man reinspricht) sein. Das bedeutet 0-1 cm Abstand!

Mit jedem Millimeter, den Du das Mikro vom Mund wegnimmst, geht Klang verloren und man versteht Dich nicht mehr.

Das Mikrofon verstärkt nur, was auch tatsächlich in das Mikro hineingesprochen wird! Bei Rednern, die das nicht wissen oder es nicht beachten, muss der Tontechniker die Lautstärke und Empfindlichkeit des Mikros immer höher stellen, und dann beginnt es, das unangenehme Fiepen („Feedback“). Besonders laut und unangenehm wird das übrigens, wenn man mit dem Mikro vor die Verstärkeranlage tritt und die Kapsel auf die Boxen richtet. Bitte nicht tun!

Auch die sehr beliebte „Kinnablage“ unterhalb der Unterlippe ist ungünstig für diese Mikrofone, denn sie haben meistens eine sogenannte Richtcharakteristik:  Du solltest geradewegs in die Kapsel sprechen, nicht darüber hinweg. Das heißt, Du hältst das Mikrofon waagerecht genau vor Deinen Mund (s. Bild oben).

Ein bisschen Üben mit der Haarbürste vor dem Spiegel hat hier übrigens noch niemandem geschadet…!

PS: Für Sänger ist das Handmikrofon perfekt: Du kannst richtig mit dem Mikrofon „arbeiten“ und verschiedene gestalterische Effekte erzielen. Quasi als weitere Ausdrucksmöglichkeit mit Deinem Instrument. Diese Effekte sind aber für die meisten Redner unnötig oder lenken zu sehr ab.

 

Clip-Ons und Headsets

Die für den Redner angenehmste Variante. Clip-On-Mikrofone werden am Revers oder Blusenkragen befestigt und übertragen Deine Stimme durch ein Kabel zu einem Sender, der an Deinen Gürtel geklemmt wird. Der Sender überträgt das Signal per Funk an den Empfänger, der dann per Kabel an die Verstärkeranlage (PA) angeschlossen ist. Sehr selten gibt es noch Clip-Ons mit Kabel – die schränken Deine Bewegungsfreiheit aber extrem ein und Du fühlst Dich wie ein Hund an der Leine.

Headsets funktionieren genauso, außer dass das Mikrophon am Kopf befestigt wird. Die Kapsel befindet sich dann an der Wange oder auf der Stirn. Vor allem Brillenträger sollten sich mit der Einrichtung Zeit lassen, damit nicht irgendwo etwas drückt und nach einiger Zeit Kopfschmerzen verursacht. Der Vorteil von Headsets gegenüber Clip-Ons ist, dass der Abstand des Mikrofons zum Mund immer gleich bleibt und weniger durch raschelnde Kleidung und das Drehen des Kopfes gestört wird. Dafür dauert es etwas länger sie anzubringen, und sie können auch unbequem sein.

Achtung außerdem: Wenn das Mikrofon an ist, hört man alles, was Du sagst! Stelle das Mikro also aus oder bitte den Techniker darum, damit keine vertraulichen Gespräche vor oder nach deiner Rede über die Boxen schallen oder Du das Publikum gar mit auf´s „stille Örtchen“ nimmst!

 

Fummle nicht!

Wenn das Mikrofon (egal welcher Typ) an ist, berühre wenn möglich nicht die Kapsel. Achte auch beim Handmikro darauf, dass Deine Finger nicht die Kapsel abdecken, wie man bei Beatboxern schonmal sehen kann. Das erhöht das Feedbackrisiko und reduziert die Verständlichkeit. Auch das nervöse Fummeln an An/Aus-Schaltern oder der Funkantenne führt zu unangenehmen Nebengeräuschen.
Wenn möglich:

Übe!

Du kannst Deine Stimme anders einsetzen, wenn Du mit einem Mikrofon sprichst. Deine Möglichkeiten zur Modulation und Variation sind vielfältiger als ohne Verstärkung. Um hier das ganze Potential auszuschöpfen, übe den Umgang mit dem Mikrofon und gewöhne Dich so auch an den Klang Deiner eigenen Stimme aus den Boxen. Wenn es logistisch machbar ist, ist es immer günstig, vor der Veranstaltung einen kleinen Soundcheck zu machen, um die Wechselwirkungen von Stimmklang, technischer Verstärkung und Raumklang auszutesten. Je länger Du Erfahrungen mit dem Sprechen über Mirkofon sammelst, desto souveräner wirst Du, und desto weniger lenkt es Dich von Deiner eigentlichen Tätigkeit ab: Dem ausdrucksstarken Sprechen!

 

Und eventuell: Ein eigenes Mikro anschaffen

Solltest Du in Deinem Beruf wirklich viel mit Verstärkung sprechen müssen, ist es eine Überlegung wert, sein eigenes Equipment anzuschaffen. Das Mikrofon, dass Du Dir anschaffst, lernst Du dann immer besser kennen und kannst Dich auf sein „Verhalten“ einstellen. Bitte lass Dich unbedingt gründlich beraten und probier so viele Mikros aus wie nötig. Vielleicht gibt es auch RednerkollegInnen, die Empfehlungen aussprechen möchten. Frag einfach nach!
Vorsicht bei Funkmikros jeglicher Art: Die Funkstreckenfrequenzen haben sich geändert und es kann hier und da mal zu Problemen mit den Sendern/Empfängern kommen. Auch hier bitte vorher informieren und sicherheitshalber kein älteres gebrauchtes Mikroset anschaffen.
Sind noch Fragen offen geblieben oder Ihr habt selbst Praxistipps, die sich als nützlich erwiesen haben? Dann schreibt uns in den Kommentaren oder per Mail!

 

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