Körpersprache – Die Macht der Haltung und Gesten

 In Allgemein, Gestik, Innere Haltung, Kommunikation, Körperarbeit, Körperhaltung, Körpersprache, Präsentation, Sonstiges

Wir haben uns vermutlich alle schon einmal damit beschäftigt – mit dem Thema Körpersprache. Sei es am Esstisch („Setz Dich ordentlich hin“), in Rhetorik-Seminaren, als Vorwurf in einem Konflikt („Schau mich wenigsten an dabei“), in Meetings („Sie wirken so aggressiv“.) oder bei vermeintlichen Dating-Tipps („Bloß nicht zu nah, zu weit weg, zu offen, zu verschlossen…“). 

Und damit sind wir mittendrin im Thema Körpersprache. Körpersprache ist das, was wir als Erstes wahrnehmen – bevor die Stimme oder die Worte ihre Wirkung entfalten. 

Stell Dir mal vor: Jemand kommt auf Dich zu. Die Stirn ist gerunzelt, die Augenbrauen zusammengezogen, die Lippen angespannt, die Hände sind in die Hüfte gestemmt – siehst Du ihn/sie vor Dir? Wie wirkt er/sie auf Dich? 

Jede körperliche Bewegung löst eine Reaktion in uns als Beobachter aus. Ob wir wollen oder nicht. Vielleicht hast Du gerade einen wütenden Menschen vor Deinem inneren Auge gesehen, vielleicht auch einen fragenden oder nachdenklichen Menschen, der sich konzentriert. 

Und hier sind wir auch direkt bei einem der, meiner Meinung nach, wichtigsten Erkenntnisse zum Thema Körpersprache:

Bewegungen, die wir mit dem Körper machen oder Haltungen, die wir einnehmen, können mehrere Bedeutungen haben. Körpersprache muss immer im Kontext betrachtet werden (Samy Molcho) und die Deutung der Gestik, Haltung, Mimik liegt immer beim Beobachter. 

Übungen, um Dein Bewusstsein für den Körper zu verbessern, hast Du in unserem letzten Artikel bereits bekommen. Vielleicht hast Du Dich auch bereits im Alltag beobachtet und Deine persönliche Körpersprache wahrgenommen. Falls nicht, ist das Dein nächster Schritt, denn:

„Wenn du weißt, was du tust, kannst du tun, was du willst.“ Dr. Moshé Feldenkrais

Wenn Deine Körpersprache nämlich mit Deiner Botschaft, Deiner Sprache übereinstimmt, wirkst Du als Sprecher und Gesprächspartner authentisch und glaubwürdig. 

Achtung: Nervosität, Angst, Überzeugungen und Denkweisen können uns großartig sabotieren. Die sogenannten Beuger werden aktiviert, um uns in eine sichere, geschützte Haltung zu bringen, die Knie fangen an zu zittern, der Mund wird trocken, der Bauch spannt an, wir gehen einen Schritt zurück und die Atmung rutscht in Richtung Schultern. 

Umso wichtiger also, die körpersprachlichen Zeichen wahrzunehmen und bewusst umzulenken. 

#Bewegung baut Stress ab 

Bevor es auf die Bühne oder in die Gesprächssituation geht: Werde Deine Anspannung los. Für den einen bedeutet das – Ruhe finden, sich still hinlegen und auf die Atmung achten. Für den anderen bedeutet es – Bewegung. Durch Treppen laufen, joggen, einen Spaziergang oder ein paar Hampelmänner vor der Redesituation, kannst Du schnell und effizient Stress und überflüssige Anspannung abbauen.

#Bodenhaftung, aber nicht kleben

Für einen sicheren Stand, und um Standfestigkeit und Realismus zu demonstrieren, stellst Du die Füße schulterbreit auseinander. Überkreuzte Beine wirken wie eine Schutzreaktion – souverän wirkst Du damit nicht. Nach außen gerichtete Fußspitzen dagegen strahlen Vertrauen und Sicherheit aus.

#Richte Dich auf

Wenn Du Deinen ausbalancierten Stand gefunden hast, richte Dich auf. Lasse die Knie locker, sei gerade im Rücken, ziehe die Schultern leicht zurück und achte auf eine aufrechte Kopfhaltung. Ist der Körper aufgerichtet, wirkst Du stark, und gleichzeitig ist er Ausdruck Deiner aufrichtigen Persönlichkeit.

#Stehe vor Rednerpult und Flipchart

Willst Du Deine Zuhörer zu etwas bewegen, musst Du Dich selbst bewegen und Deine sensible, verletzliche Seite zeigen. Gib Deinem Sicherheitsbedürfnis in diesem Falle mal nicht nach und stelle Dich mutig und offen vor das Rednerpult. Auch das Flipchart bietet sich eigentlich ganz wunderbar als Versteck oder Halt an – für eine souveräne und zugängliche Haltung bleib jedoch auch hier seitlich davor stehen. 

Deine körperliche Bewegung geht übrigens auch unmittelbar in Deine Stimme über. Du läufst also wesentlich weniger Gefahr monoton zu klingen und stimulierst  gleichzeitig die Aufmerksamkeit Deiner Zuhörer.

Probiere das doch direkt aus: Stelle Dich mit Händen in den Hosentaschen, Armen am Körper auf einen Fleck und suche Dir ein spannendes oder für Dich emotionales Thema. Führe ein Selbstgespräch (gerne vor dem Spiegel) und versuche Dich nicht zu bewegen. Was passiert mit Deiner Stimme und Deinem Tonfall? Was wäre Dein eigentlicher körperlicher Impuls? Und was verändert sich, wenn Du Arme, Hände und Beine „frei“ gibst? 

#Befreie Deine Arme 

Wie Du gerade wahrscheinlich gemerkt hast – Deine Arme möchten sich gerne bewegen beim Sprechen. Lass es also auch zu! Offenheit zeigst Du, wenn Du beim Gestikulieren auch mal die Innenseite von Armen und Händen zeigst. Denke jedoch nicht allzu viel über Deine Gestik nach. Das raubt Dir nur Aufmerksamkeit für Deinen Inhalt und Deine Zuhörer und kostet Dich Glaubwürdigkeit. Sind die Gesten einstudiert und aufgesetzt, wirken sie nicht mehr authentisch. Auch hier gilt: Schaffe ein gesundes Bewusstsein für Deine Gestik und dann lass los! 

Gesten stehen dann mit Deinen Worten in Verbindung und transportieren Emotionen. Die rechte Hirnhälfte Deiner Zuhörer wird angesprochen. Experimentiere ruhig in einer Übungssituation mal rum: Lasse kleine Gesten groß werden (wenn es zu Deinen Worten passt) und große Gesten klein werden. 

#Blickkontakt

Mit oder zu wem sprichst Du eigentlich? Eine der wichtigsten Fragen vor einem Gespräch oder einem Vortrag. Und das nicht nur wegen des Inhalts, sondern auch für Deine innere Haltung zu Deinem Zuhörer. Wenn es in der Sprechsituation nicht um Dich, Deine Aufregung oder Wirkung geht, sondern um Dein Publikum bzw. Deinen Gesprächspartner, dann schaust Du wahrscheinlich ganz automatisch den Menschen in die Augen. Blickkontakt schafft Nähe und Vertrauen – nutze das für Dich und Deine Botschaft. 

Achtung: Wenn Du Deinen Vortrag mit Powerpoint unterstützt oder einem Flipchart, dann achte besonders darauf, dass Du Dein Gesicht nicht nur von der Seite zeigst, sondern auch frontal. 

#Körperhaltung bei Einwänden aus dem Publikum 

Ganz besonders herausfordernd ist es, wenn Du von Deinem Gesprächspartner oder Deinem Publikum in eine für Dich intuitiv schützenswerte Situation gebracht wirst. Beispielsweise durch einen Einwand. Deine Arme werden sich automatisch verschränken, Deine Schultern ziehen sich hoch und Dein Blick wird ausweichend sein. Das könnte zumindest passieren, wenn Du Dir Deiner Körpersprache nicht bewusst bist und Deine Neugier und Dein Vertrauen in Dich, Deine Fähigkeiten und Deine Zuhörer durch Angst vor Versagen/Zurückweisung/…! Hilfreicher Trick: Hinterfrage Deine Einstellung zu Deinen Zuhörern. Wenn Du positiv über Dein Publikum denkst, wirst Du weniger Angst haben und Dein Körper wird sich entsprechend verhalten. 

 

Also, los geht’s! Ab vor den Spiegel, am besten eine Kamera aufbauen und die Gesprächssituation simulieren oder die Präsentation laut üben. Lass Deinen Körper die Emotionen transportieren und Deine Gesten die Bedeutung Deiner Worte unterstreichen.  

 

Recent Posts

Leave a Comment

Start typing and press Enter to search