Juhuu, ein Schnupfen?! – Wie Du das Beste aus Deiner Erkältung holst

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„Wie bitte?!“ fragst Du jetzt wahrscheinlich, „wieso soll ich mich denn über einen Schnupfen freuen?!“ Tja…

Natürlich haben eine Erkältung oder eine Halsentzündung, geschweige denn eine waschechte Grippe, viele eher unangenehme Seiten. Und Du solltest auch weitgehend vermeiden, Dich zu erkälten, wenn Du im Beruf und Alltag sehr auf Deine Stimme angewiesen bist. Hier ist Vorbeugen besser als Nachsorgen: Das sind unsere Top 5 der Stimmpflegemaßnahmen:

Gesunde Ernährung

Du brauchst mit einer gesunden Stimme grundsätzlich auf nichts zu verzichten. Achte aber darauf, was Du in welchen Mengen in Deinen Körper hineinstopfst: Deine Stimme ist Teil von ihm! „Echte“ Nahrung, die genügend Mineralstoffe und Vitamine enthält, mehr Olivenöl als Pommesfett, wenig Zucker und Konservierungsstoffe – damit kann Dein Körper für einen gesunden Stoffwechsel und ein funktionierendes Immunsystem sorgen. Natürliche Antibiotika wie Ingwer, Knoblauch oder Kurkuma stärken die Abwehrkräfte und sind auch noch lecker!

Schleimhäute pflegen

Hier kannst Du viel tun! Vermeide austrocknende Substanzen wie Rauch/Tabakrauch, Alkohol, aber auch Kunstnebel weitgehend und vor allem an Tagen, an denen Deine Stimme beansprucht wird.
In der Heizsaison: Lüfte mehrmals täglich und lege feuchte Handtücher auf den Heizkörper. Es kann auch gut sein, mal die Wäsche in der Wohnung zu trocknen statt im Trockner.

Ach, hatte ich schon Lüften erwähnt? In abgestandener, feuchtwarmer Luft vermehren sich Krankheitserreger nämlich gern… Trinke ausreichend! Vor allem Wasser, Fruchtschorlen, Ingwertee und milde Kräutertees sind super. Ab und an ein Emser Salz lutschen oder eine Brühe/Suppe trinken – das hilft bei der Bindung der Flüssigkeit im Körper.
Du willst Deinen Schleimhäuten in Nase, Rachen und Kehlkopf mal eine Luxusbehandlung gönnen? Dann inhalier einfach mal! Mit etwas Meersalz oder einfach heißem Wasser. Eine Runde Dampfbad oder ein Besuch in einer Salzgrotte ist auch ein willkommenes Geschenk für Deine Stimme!
Ein guter Tipp bei langen Sprech- oder Singtagen: Eine Thermoskanne mit heißem Wasser mitnehmen und ab und zu mal einige tiefe Atemzüge direkt über der Öffnung inhalieren. Der heiße Dampf ist die einzige Möglichkeit, die Stimmbänder direkt zu befeuchten – und sie mögen das sehr…

Beachte bei längerem Inhalieren: Danach nicht direkt an die eiskalte Luft gehen, erst ein wenig mit Schal und bei Raumtemperatur akklimatisieren.

Wenn sich Deine Stimme belegt anfühlt, versuche nicht, ständig zu räuspern. Lieber feste schlucken und viel trinken.

Bewegung – am besten draußen!

Ein beweglicher, starker Körper kann Angriffe von Krankheitserregern viel leichter abwehren. Komme also ruhig ein paar Mal pro Woche ins Schwitzen – vergiss das Stretchen nicht, damit sich keine Verspannungen bilden, die dann Haltung und/oder Stimme beeinträchtigen.  Am besten ist das Ganze an der frischen Luft, für maximalen Sauerstoffgehalt der Luft und ein bisschen entspannende Natur im Blick! Flotte Spaziergänge gelten übrigens auch schon…

Schlaaaaaaaaaaaafen…

Wenn Du merkst, dass alle um Dich herum erkältet sind und Du sicher auch nicht mehr weit davon entfernt bist: Ab in die Heia! Ein paar Tage lang zwei oder drei Stunden früher schlafen gehen hilft dem Körper und dem Stimmapparat, Angriffe auf das Immunsystem abzuwehren. Und dunkel isses ja eh. Und im Fernsehen kommt auch nichts Gescheites. Also: Besser einen Mini-Winterschlaf halten.

 

„…h…h…hatschi!“

Aber natürlich kann es bei aller Vorsorge sein, dass es Dich doch erwischt. Dann versuch es positiv zu sehen, ergib Dich dem Kampf und schalte in Deinem hämmernden Schädel den Forscher an… Hör auf Deinen Körper, und probiere aus, was Dir und Deiner Stimme gerade gut tut. 
Eine Erkältung kann nämlich auch eine Möglichkeit sein, endlich mal eine Pause zu machen. Sich mal einen Tag oder zwei ins Bett zu legen, etwas, was Du Dir vielleicht ausschließlich dann erlaubst, wenn Du krank bist. Es ist auch ein Signal Deines Körpers, dass Du diese Pause brauchst! Hör auf ihn, und gönn Dir Ruhe. Vielleicht mit einem guten Buch oder einer neuen Serie…

Pfleg Dich!

Die üblichen Hausmittel helfen! Viel Tee (Thymian zum Schleimlösen, Lindenblüte zum Schwitzen, Yogi  Tee Halswärmer gegen wunden Hals, Ingwertee gegen die Entzündung, alle gern mit Honig und nicht zu heiß), Wasser und Halsbonbons, Hühnerbrühe (enthält Enzyme, die nachweislich gegen Erkältungssymptome helfen), und dann schlafen, schlafen, schlafen
Mit Thymian inhalieren, und weißen Tigerbalsam auf Brust und Rücken bei Bronchitis. Kartoffelwickel, Hustensaft aus Zwiebeln – hilft alles, aber nicht immer und bei jedem.
Eine  Erkältung dauert eine Woche, mit Medikamenten sieben Tage, sagt man. Bis die Stimme wieder zu 100% da ist, dauert es allerdings oft bis zu drei Wochen…

Antibiotika solltest Du Dir bei einer einfachen Erkältung erst verschreiben lassen, wenn sie wesentlich länger dauert als gewohnt. Der Körper kommt in der Regel selbst mit den Erregern klar, wenn Du ihn lässt.

 

Halt besser mal die Klappe

Wenn Dein Hals stark von der Entzündung betroffen ist (Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Heiserkeit), dann ist Stimmruhe empfehlenswert. Bitte nicht die Stimme durch Flüstern „schonen“, denn das strengt an und trocknet die Schleimhäute noch mehr aus! Besser: Leise, aber stimmhaft (mit Ton) reden, und so wenig wie möglich.
Zuviel Beanspruchung der Stimmbänder in der Entzündungsphase kann auch schonmal dafür sorgen, dass die Armen selbst die Entzündung abbekommen – und das bedeutet wochenlang keine Stimme!

Wenn Du nur Schnupfen hast, funktionieren Deine Stimmbänder oft noch gut, und sogar Singen geht. Achte aber darauf: Deine Resonanzräume sind zum Teil nicht funktionsfähig – kompensiere nicht mit Druck und Kraft. Und wie oben gilt: Schonen ist nicht verkehrt, denn der infektiöse Schleim aus der Nasenhöhle läuft unter Garantie auch schon mal den Rachen hinunter und in die Kehle. Überanstrengte, ausgetrocknete Stimmbänder sind dann schnell mit infiziert.

Stimmbandentzündung? Nein danke!

Und das willst Du Deiner Stimme sicher nicht antun, oder? Guck mal, hier siehst Du arme, arme entzündete Stimmbänder: https://entokey.com/wp-content/uploads/2016/08/C9-FF1.gif
So sieht es in Deinem Kehlkopf aus, wenn Du eine Halsentzündung hast – hab Mitleid und pflege Deine Stimme liebevoll wieder gesund, bevor Du sie wieder in die harte Welt hinausschickst!

So sehen übrigens gesunde Stimmbänder bei der Arbeit aus: https://www.youtube.com/watch?v=9Tlpkdq8a8c 
Besser, oder?

Kurieren geht über Strapazieren

Kurier Dich gut aus – verschleppte Erkältungen sind lästig und können dazu führen, dass Du Dich wochenlang nicht richtig leistungsfähig fühlst! Dann lieber mal einen Tag länger nicht auf die Arbeit – Deine noch gesunden Kollegen danken es Dir auch, wenn Du sie nicht ansteckst!

Das Schlimmste ist vorbei? Dann kommt jetzt der spannende Teil: Das Wieder- oder Neu-Entdecken deiner Stimme!

 

Nach der Erkältung: Forschungsreisen!

Ich persönlich finde die Zeit nach einer Erkältung spannend! „Absence makes the heart grow fonder“, sagt man über Beziehungen zwischen Menschen – wenn man sich länger nicht sieht, wächst man ohne den anderen weiter und verändert sich. Das macht ein Wiedersehen aufregender,  wenn man neue, unbekannte Züge oder Gewohnheiten am anderen entdeckt.

Genauso halte ich es mit meiner Stimme. Im stimmlichen Alltag, auch wenn ich weiterhin an meiner Stimme arbeite, bemerke ich Fortschritte oder Lernerfolge oft nicht, weil sie schleichend passieren. Andere Prozesse brauchen geradezu eine Zwangspause, damit es „klick“ macht.

Nach einer Erkältung kann ich oft Neues an meiner Stimme entdecken – und sozusagen die Früchte meiner Arbeit ernten! Oft ist auch unsere Stimme in den letzten Tagen der Erkältung noch heiser, etwas tiefer und in unseren Ohren ungewohnt – genieße es, mal ein paar Tage ganz anders zu klingen als sonst! Trällere mal einen Schlager von Hildegard Knef statt Rihanna und erlebe ganz neue Facetten Deiner Persönlichkeit… 😉

Reha-Maßnahmen

Und dann unterstütze Deine Stimmbänder dabei, langsam den Schleim loszuwerden. Zwing sie zu nichts – sprich und sing ganz ohne Druck. Leichtes Blubbern mit LAXVOX oder die „Flatterlippe“, oder summen mit Fokus auf den Stimmbandschluss (kein Luftstrom hörbar), am besten auf „nnn“ oder „ng“ sind super Übungen zum Wiedereinsteigen.
Beginne immer mit langen, mitteltiefen Tönen und dann schleif sie nach oben und unten (wie Sirenen, erst kleine Schleifen, dann etwas größer). Am besten baust Du sie ganz oft und immer nur kurz in Deinen Alltag ein und machst so ein kleines Aufbautraining, bis Du merkst, dass Du wieder wie gewohnt Deine Duschhits schmettern kannst und Deine Nachbarn mit dem Besen an die Decke klopfen!

 

Leider grad nicht erkältet?

Du bist gerade nicht erkältet und jetzt ganz enttäuscht, dass Du das alles nicht ausprobieren kannst? Dann komm doch ins Rheinland und lass Dich von ein paar Karnevalsjecken küssen – ist bestimmt eine/r mit nem guten Bazillus dabei… 😉  Alaaf!

 

 

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