Führen mit der Stimme – Ressource Stimme als Führungskraft sinnvoll nutzen

 In Business, Gestik, Innere Haltung, Kommunikation, Körpersprache, Präsentation, Richtig Reden, Sonstiges

Anforderungen an die Stimme einer Führungskraft

Die Anforderungen an die Stimme einer Führungskraft sind vielseitig und komplex. Schließlich haben Führungskräfte tagtäglich unterschiedlichste Aufgabenbereiche und Sprechsituationen zu meistern. Es geht los mit durchsetzen, überzeugen und „gehört werden“ in Präsentationen, Telefonkonferenzen und Meetings. In Teambesprechungen ist der Transport von Vertrauen und Selbstsicherheit wichtig. Hinzu kommt das Ausbalancieren von Empathie und Bestimmtheit in Mitarbeitergesprächen. Und um das zu erreichen spielt das Instrument Stimme und die antrainierte Sprechweise eine wesentliche Rolle.

Was genau bedeuten die unterschiedlichen Aufgaben für unser Instrument Stimme?

Schauen wir uns einmal genauer an, welche Bereiche der Sprechstimme eine Rolle spielen.

#Atmung

Natürlich – Stimme ist nichts anderes als bewegte Luft. Die Atmung beeinflusst somit entscheidend unseren Stimmklang und die Sprechweise. Gerade Führungskräfte, die regelmäßig Aufgaben außerhalb ihrer Komfortzone zu erfüllen und gewisse Erwartungen zu bedienen haben, werden mit Nervosität und Lampenfieber oder einer allgemeinen Grundanspannung konfrontiert. Die Atmung wird durch diese Anspannung meist negativ beeinflusst – kann nicht mehr ökonomisch funktionieren. Dadurch fehlt unserer Stimme der „Treibstoff“, die Stimmlippen schwingen nicht mehr gleichmäßig, die Spannung überträgt sich in den Kehlkopf-, Rachen- und Kieferbereich und genau das hören wir im gepressten, angestrengten Stimmklang. Gepresste, angestrengte Stimmen klingen zum einen wenig souverän und zum anderen überträgt die Führungskraft die Anspannung auf die Zuhörer.

Eine entspannte und gut funktionierende Atmung ist also ganz besonders wichtig und grundlegend, um mit der Stimme zu überzeugen und bestimmt führen zu können.

#Sprechweise

Hier greife ich zwei wichtige Aspekte heraus: Die Sprachmelodie und die Sprechstimmlage – also die Tonhöhe in der die Führungspersönlichkeit spricht.

Eine natürliche und bewegte Sprachmelodie bewegt meine Zuhörer zum Zuhören. Eine monotone oder die „Satzzeichen-auslassende“ Sprachmelodie strengt meine Zuhörer an oder lässt sie vielleicht sogar einschlafen. „Satzzeichen-auslassend“ bedeutet in der Regel, dass die Stimme auch bei einer Aussage – einem eindeutigen Punkt – nach oben geht und nicht, wie es natürlich wäre, nach unten absinkt. Die Aussagen wirken dann aufgezählt und der Botschaft fehlt es dadurch an Bestimmtheit und Kraft. Außerdem verliere ich meine Zuhörer, weil es ihnen schwer fällt über einen längeren Zeitraum zuzuhören und die Inhalte abzuspeichern.

Hinzu kommt, dass der Sprecher in Gefahr läuft, in der Tonlage immer weiter nach oben zu „rutschen“. Bei Frauen kennen wir das als „Piepsstimme“, doch auch bei Männern ist dieses Phänomen nicht zu unterschätzen. Für einen kompetenten und souveränen Auftritt (im weitesten Sinne) sollte sich die Sprechstimme in ihrer natürlichen Tonlage befinden. Wie Du Deine persönliche Sprechstimmlage immer wieder findest, kannst Du hier nachlesen.

#Artikulation

Klare Gedanken fördern eine klare Aussprache. Und umgekehrt wirkt eine klare Aussprache selbstsicher und bestimmt, weil Deine Gedanken – also Deine Botschaft – klar vermittelt wird. Du machst es Deinen Zuhörer leicht, Dir zu folgen und wirkst dabei sicher und souverän. Genuschelte Botschaften bringen übrigens Unsicherheit in den gesamten Prozess. Missverständnisse sind vorprogrammiert, wenn sich die Gesprächspartner nicht trauen noch einmal nachzufragen.

#Sprechtempo & Sprechpausen

Auch oder gerade als Führungskraft ist Zeit ein besonders wertvolles Gut. Ganz gefährlich für Dein Sprechtempo… Schnell mal eben noch etwas mitteilen und dabei das Tempo anziehen, führt schnell zu einer verwaschenen Aussprache und dazu, dass Dir Deine Gesprächspartner nicht mehr folgen können.

Sprechpausen können Abhilfe schaffen. Selbst wenn das Tempo insgesamt hoch bleibt, bringen Pausen Ruhe in das Gespräch oder den Vortrag und sorgen dafür, dass Deine Zuhörer die Inhalte auch verarbeiten und abspeichern können.

#Lautstärke

Führungskräfte dürfen in Büros mit viel und wenig Umgebungslärm, großen und kleinen Hörsälen oder auch am Telefon sprechen. Die Sprechlautstärke muss sich natürlich an diese unterschiedlichen Voraussetzungen anpassen. Die Stimme braucht also eine gewisse Tragfähigkeit in großen Sälen und lauten Großraumbüros und eine gewisse Sanftheit in ruhigen Mitarbeitergesprächen oder am Telefon. Zu lautes Sprechen wird vom Gegenüber eher als aufdringlich und dominant wahrgenommen („Wer laut ist, hat unrecht.“…) und zu leise als schüchtern und unsicher. Die Lautstärke in der eine Führungskraft spricht, sollte sich also der Situation angemessen anpassen.

Was gehört noch dazu und beeinflusst die Stimme maßgeblich mit?

Neben den oben genannten stimmlichen Parametern dürfen auch Körpersprache und Körperhaltung nicht vergessen werden. Sie beeinflussen den Stimmklang (Haltung und Muskelspannung) und die Sprachmelodie (Gestik) maßgeblich. Außerdem hat die Körperhaltung einen Einfluss auf unsere Hormonlevel (mehr zur Forschung hier) und somit auch auf unsere Stimmung. Die Körpersprache verrät – genau wie die Stimme auch – eine Menge über die Persönlichkeit, Stimmung und Absicht der Führungskraft.

Die Stimme und Sprechweise wird außerdem von Denkweisen und der geistigen Haltung zu seiner Rolle und seinen Gesprächspartnern geprägt. Denkweisen wie beispielsweise „Die nehmen mich sowieso nicht ernst.“ oder „Selbstsicher wirke ich nur, wenn ich laut bin.“ oder „Je tiefer meine Stimme, desto kompetenter wirke ich“ haben unbewusst einen so starken Einfluss auf die Sprechweise und verursachen häufig eine unauthentische, aufgesetzte Wirkung.

Zusätzlich hat auch das Rollenverständnis der Führungskraft eine Wirkung auf die Sprechweise und Stimme. Wie möchte ich als Führungskraft wirken? Wie sehe ich die Rollen meiner Mitarbeiter? Welche Perspektive habe ich auf mein Team? Welchen Führungsstil möchte ich gerne verkörpern? Einen informativen Artikel zu dem Thema findest Du hier

Erste Schritte zu einem angemessen Stimmeinsatz und der zur Rolle passenden Sprechweise

Um die unterschiedlichen Aufgaben mit der Stimme zu meistern, braucht es in erster Linie ein starkes Bewusstsein für die Wirkweise des eigenen Stimmklangs und der Sprechweise. Denn irgendeine Wirkung haben Stimme, Sprechweise und Körpersprache in jedem Fall – da können wir uns sicher sein. Damit Du als Führungspersönlichkeit auch so wirkst, wie Du es beabsichtigst, musst Du Deine Stimme und Sprechweise kennen. Feedback vom Umfeld gibt es an der Spitze bekanntlich wenig… Selbst ist also die Führungskraft: Video- oder Audioaufnahmen können für den Anfang helfen, erste Eindrücke zu sammeln und vielleicht sogar erste Unstimmigkeiten aufzuspüren. Werde außerdem zum Stimm-Forscher in Deinem Alltag. Beobachte Dich am Telefon, in Mitarbeitergesprächen und bei Vorträgen. Wie stehst Du? Was machen Deine Arme und Hände? Machst Du Pausen oder sprichst Du ohne Punkt und Komma? Bist Du nervös? Bleibt Deine Atmung tief oder merkst Du die Anspannung in Deinen Körper wandern?

Vielleicht kannst Du in einem zweiten Schritt sogar schon neue Gewohnheiten in Deinem beruflichen Alltag schaffen. Erinnerungen an beispielsweise Haltung, Sprechpausen oder die Sprechstimmlage an Schreibtisch, Kaffeemaschine oder Vortragsmappe können helfen, neue Sprechgewohnheiten anzutrainieren. Authentisch und nicht aufgesetzt.

Du bist (angehende) Führungskraft und bereits Erfahrungen mit Stimme und Auftreten gemacht? Dann lass es uns wissen und teile Deine Erlebnisse mit uns.

Du willst ein Bewusstsein für Deine Stimme, Sprechweise und Wirkung entwickeln? Dann komm doch zum Speaker’s Lab! Mehr Infos hier.

 

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