Fitness für eine deutliche Aussprache

 In Reden, Richtig Reden, Sonstiges

Wenn Du unsere Blogartikel regelmäßig liest, weißt Du, dass wir großen Wert auf die ganzheitliche Betrachtung des Menschen legen. Stimmtraining besteht für uns nicht „nur“ aus Übungen für die Stimmbänder, Resonanzräume, Körperhaltung, Atmung oder Aussprache, sondern zu einem großen Teil auch aus Persönlichkeitsentwicklung, der inneren Haltung – dem Mindset. Und trotzdem gibt es Situationen und Ziele im Stimm- und Sprechtraining, die bestimmte Übungen zu den oben genannten Bereichen fordern. 

Ein hochkomplexes Bewegungsmuster 

Ein Bereich, in dem Du vor allem durch regelmäßiges Üben Fortschritte machen kannst, ist die Artikulation – die deutliche Aussprache. Die Stimm-  und Sprechbewegung ist eine der komplexesten Bewegungsmuster zu der wir Menschen fähig sind. Beim fortlaufenden Sprechen werden in jeder Sekunde ca. 150.000 Einzelentscheidungen vom Gehirn getroffen.

Eine Möglichkeit die klaren, präzisen und sehr komplexen Bewegungsmuster der Sprechwerkzeuge zu trainieren, haben wir Euch schon vorgestellt – die Zungenbrecher-Übung. Dort kannst Du auch noch einmal nachlesen, woher das Wort Artikulation stammt. Hier findest Du den Artikel.

So trainierst Du Deine Sprechwerkzeuge

Eine weitere und eine der ältesten sprecherzieherischen Übungen ist die Korken-Übungen. Schon Demosthenes soll mit Kieselsteinen im Mund gegen die Brandung angesprochen haben, um seinen Sprachfehler zu beheben. 

Wir empfehlen zwar weder Kieselsteine noch heftigen Umgebungslärm, aber die Übung an sich sehr wohl.

Und zwar dann, wenn Du beim Sprechen dazu neigst – wie übrigens sehr viele Menschen hier in Deutschland – den Mund nicht aufzumachen und Laute (vorzugsweise Endungen) „verschluckst“.

Optimiere Deine Aussprache – Die Korkenübung

Nimm doch statt der Kieselsteine einfach einen Korken und stell Dich – statt ans Meer – lieber vor den Spiegel. Den Korken hältst Du zwischen den Zähnen und dann wird mit dem Korken im Mund gesprochen. Nimm den Korken nach 1-2 Minuten wieder aus dem Mund und fühle den Unterschied, wenn Du wieder ohne Korken sprichst. Was genau sind die Unterschiede?
Im Grunde genommen ist das der ganze Übungsaufbau – mehr brauchst Du nicht.

Der Korken dient übrigens als „Hindernis“ im Mund, was Dich dazu zwingt Deine gesamte Gesichtsmuskulatur vermehrt einzusetzen, um noch verständlich für Deine Zuhörer zu sein. Beobachte ganz genau im Spiegel, wie viel Du wirklich an Muskelarbeit leistest und welche Muskel plötzlich wesentlich mehr arbeiten. Oftmals geht uns das Gefühl dafür verloren und wir verschätzen uns völlig. 

Ein paar wichtige Tipps:

Achte darauf, dass Du nicht fest auf den Korken beißt und Dein Kiefer verspannt. Wenn Du zu Verspannungen im Kiefer neigst, nimm lieber Deinen Daumen statt einen Korken – dann hast Du eine bessere Kontrolle darüber, wie fest Du zubeißt bzw. wie sehr Dein Kiefer anspannt.

Erzähle nicht einfach unbeteiligt einen Spruch auf oder ein Gedicht und lasse Dein „Gesichtsfleisch“ nicht einfach über den Korken hängen, sondern erzähle mit Emotion und Absicht dahinter. Die Botschaft, die Du mit Korken im Mund Deinem Spiegelbild oder Kaktus oder Deiner Katze erzählst, ist wirklich, wirklich wichtig. Deine Augen sprechen mit!

Mache eine VORHER – NACHHER – Aufnahme. Höre Dir – natürlich mit dem Forscher-Ohr (der Kritiker darf sich zurück halten) die Aufnahme an und höre Unterschiede heraus. So kannst Du Deine Fortschritte genau beobachten und verfolgen.

Übung macht den Meister: Genau wie beim Sport, brauchen wir Disziplin, um unsere Muskulatur zu trainieren und so einen nachhaltigen Effekt zu erzielen. Einmal die Übung machen reicht also leider nicht aus, um einen Transfer in die Sprechstimme zu bekommen. Wenn Du nur den Effekt spüren willst, dann reicht sogar schon eine kurze Einheit aus…

Wie das mit dem Üben so ist – wir vergessen diese kleinen Übungseinheiten im Alltag sehr gerne, wenn sie nicht gerade überlebenswichtig sind. Deshalb: Erinnere Dich selbst an die Übung. Dadurch, dass Du Korken an die Orte legst, an denen Du kurz Zeit hast, die Übung zu machen. Zum Beispiel: Im Badezimmer nach dem Zähneputzen, im Schlafzimmer vor dem Ankleidespiegel, im Büro neben dem Telefon… Schaffe Dir neue Rituale zu festen Zeiten!

Wenn Du die Übung machst, mache NUR die Übung. Nichts anderes nebenher. Wir sind keine Multitasker – auch wenn das viele von sich behaupten. Du wirst merken, dass Du die Übung sorgfältiger machst und der Effekt größer ist. Du brauchst die volle Aufmerksamkeit, um ein Bewusstsein für die Arbeit Deiner Sprechwerkzeuge zu entwickeln und so dann auch den Transfer hinzubekommen. 

Lust Deine Artikulation einmal genauer zu beobachten und zu optimieren? Dann nichts wie los. Korken besorgen und ab vor den Spiegel.
Viel Spaß dabei! 

 

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