Circle Singing – Vokalimprovisation in der Gruppe

 In Entspannung, Gehirn, Gesang, Methodik, Music, Selbstbewusstsein, Singen, Soft Skills

 Raus aus der Komfortzone, rein in den Endorphinrausch

Circle Singing oder „Circle Songs“, wenn man sie praktiziert, fühlen sich oft archaisch an. So als gäbe es sie schon seit Anbeginn der Menschheit. Das liegt daran, dass oft sehr universale Tonleitern wie beispielsweise Pentatoniken verwendet werden. Oft werden sie mit rhythmischen Motiven, die an folkloristische Tänze erinnern, kombiniert. Der musikalische Aufbau der Circle Songs, der auf Wiederholung kurzer Motive oder auf Frage-Antwort-Strukturen basiert, hat eine lange Tradition, vor allem in den afrikanischen Kulturen. Das Konzept in der heutigen Form gibt es allerdings erst seit den 1980er Jahren, und so richtig bekannt geworden sind die „Circle Songs“ erst durch das gleichnamige Album von Ausnahmesänger und -improvisator Bobby McFerrin Ende der 90er. Die archaischen Elemente sprechen uns heute aber noch auf einer so direkten Ebene an, dass sie beim Improvisieren gern benutzt werden: Sie fallen uns oft als erstes ein und sind leicht zu merken und zu wiederholen.

Was ist denn ein Circle Song?

Ein Circle Song ist ein Musikstück, das aus sich wiederholenden Patterns oder Motiven besteht. Diese Motive können Gesang sein, Geräusche oder Laute, die mit der Stimme erzeugt werden (Hauchen, Rufe, rhythmisches Atmen, Konsonanten, Tierlaute, Worte…) oder Geräusche, die mit dem Körper erzeugt werden (z.B. Bodypercussion). Allen gemeinsam ist der Puls – das rhythmische Grundelement, das alle Stimmen und rhythmischen Motive vereint und zusammenhält. Ein weiterer „Circle“ ist die Aufstellung der Sänger – die kreisförmige Aufstellung ist organisatorisch am logischsten. So kann sich das Stück nacheinander aufbauen und für den Dirigenten ist es leicht, mit allen SängerInnen zu kommunizieren.

Es gibt ausnotierte Stücke dieser Art, sie enthalten aber fast immer improvisatorische Elemente. Das bedeutet zum Beispiel, dass eine Tonart oder Taktart vorgegeben ist. Manchmal ist sogar eine Kadenz (harmonische Abfolge) auf die verschiedenen Stimmen verteilt. Den Rest, also die rhythmische Ausgestaltung und den Klangcharakter, bestimmen die Sänger oder der Dirigent selbst und meist auch spontan (improvisiert).
Über ein Grundmotiv, auch Ostinato genannt, stapeln die Sänger dann verschiedene andere Motive, die sich in Rhythmus, Melodieführung und Klang/Lauten unterscheiden. So entsteht ein Klangteppich, der sich auch im Laufe der Wiederholungen gern auch noch verändert.

Auf diesen Klangteppich kann dann sogar ein Solist ein improvisiertes Solo singen, das sich nicht wiederholt, sondern sich weiterentwickelt. Der Aufbau des Solos bestimmt dann , mit welcher Lautstärke und welchem Ausdruck die Gruppe singt.

Das Ergebnis ist so unterschiedlich, wie Musik nur sein kann: Laut oder leise, getragen und choralartig oder rhythmisch und schnell, schön gesungen oder seltsam und lustig. Es gibt ausschließlich gesummte Circle Songs oder „Songs“, die nur aus rhythmischen Geräuschen bestehen, lange und kurze, dirigierte oder kollektiv improvisierte. Dem Ausdrucksspektrum der menschlichen Stimme sind keine Grenzen gesetzt…

Was passiert, wenn wir „im Kreis singen“?

Zwei grundlegende Elemente wirken auf uns, wenn wir in der Gruppe singend improvisieren. Das ist erstens das gemeinsame Singen, dessen Effekte auf uns Menschen mittlerweile ausgiebig erforscht sind: Singen, und besonders Singen in der Gruppe erhöht unsere Oxytocin-Level (das ist das Bindungshormon, das auch gebildet wird, wenn wir uns verlieben oder Mütter ihre Babys stillen) und unsere körpereigene Droge Endorphin (macht uns „high“ – wir fühlen weniger Schmerzen, entspannen uns und sind einfach – glücklicher).

Das Improvisations-Element ist das, was uns erstmal ein bisschen aus unserer Komfortzone zerrt: Eigentlich glauben die meisten von uns erstmal nicht, dass sie sich einfach so mal was ausdenken können und das dann auch noch singen – vor anderen! Wenn wir aber regelmäßig gemeinsam improvisieren, merken wir: Das, was uns einfällt, ist genug! Meistens sogar mehr als das. Und wenn uns mal nichts einfällt oder wir Fehler machen, gibt es genug Menschen in der Gruppe, die uns helfen, uns inspirieren, uns auffangen… Und dieses Vertrauen in uns selbst und die anderen hilft uns auch, im Alltag entspannter auf unbekannte Situationen zu reagieren. Denn meistens ist es doch so: Wo wir auch sind, falls was schiefgeht, ist irgendjemand da, der uns aushelfen könnte.

Circle Singing macht unglaublich Spaß, wenn man es mit „open mind“ und viel Neugierde auf immer neue Erfahrungen, Klänge und Gefühle ausprobiert! Wichtig ist immer eine wertschätzende, rücksichtsvolle Atmosphäre, in der niemand etwas tun muss, das er nicht will. Denn wenn wir wissen, dass wir uns wirklich in die Musik hineinfallen lassen können, wachsen wir über uns hinaus.

 

Du möchtest bei unserem ersten Circle Singing – Workshop am 17. Juni 2017 von 10 – 13 Uhr in Düren dabei sein?

Dann melde Dich einfach hier an:

 

 

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Showing 2 comments
  • Katharina
    Antworten

    Es waren geniale drei Stunden, die ich mit euch und den Mitsingenden erlebt habe!
    Danke für das wunderbare Eintauchen ins Circle Singing!
    Ich freue mich schon auf eine Fortsetzung und neue Mitcirclerinnen…
    Auf dass der Spaß am Musik machen mit Mund und Körper sich ausbreite und wir ganz neue Instrumentalfähigkeiten an uns entdecken!
    Ich kann fast gar nicht mehr ohne neues eigenes Impro-Liedgut auf den Lippen 🙂
    Hat echt Spaß gemacht!

    • Ina Hagenau
      Antworten

      🙂 Das freut uns, liebe Katharina – wir fanden es auch super mit Euch! Neue Termine stehen schon fest: 2. September und 4. November 2017! Mehr Info kommt noch.
      Sammel schonmal Ideen!
      Liebe Grüße, Ina

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