Beatboxing – Groove mit dem Mund!

 In Gesang, Music, Sonstiges, Unterhaltung


Ein Gastartikel von Indra Tedjasukmana

Was ist „Beatboxing“?

Die kürzeste Antwort lautet: Ein Schlagzeug mit dem Mund imitieren.

Die vokale Kunstform des Beatboxing wurde Mitte der 1980er Jahre erstmals in den USA bekannt und hat in den letzten zwei Jahrzehnten auf der ganzen Welt verbreitet. Beatboxer/innen können allein mit dem Mund und der Stimme täuschend echte Schlagzeug-Sounds oder elektronisch klingende Beats erzeugen. Diese Fähigkeit macht sie für A Cappella-Gruppen und moderne Pop-Chöre sehr beliebt, denn durch sie wird Vokalmusik erstmals tanzbar. Auch in der Werbung, in TV-Casting-Shows und auf Online-Videoportalen stehen Beatboxer hoch im Kurs.

(Wie) Kann man Beatboxing lernen?

Beatboxing lernen bedeutet ein echtes Instrument zu lernen. Jeder Mensch mit einem gesunden Vokaltrakt kann das erreichen – unabhängig von Alter oder Geschlecht. Auf Online-Portalen finden sich zahlreiche Videos von beatboxenden Kindern bis hin zu virtuosen Beatboxerinnen auf Meisterschaften. Für das erfolgreiche Erlernen gibt es hauptsächlich zwei Voraussetzungen: Rhythmusgefühl und Geduld. Ein grundlegendes Rhythmusgefühl ist nötig, um ein stabiles Tempo und somit den Takt zu halten, auf den sich das Publikum oder die Mitmusiker verlassen können. Geduld ist nötig, weil es – genau wie beim Klavier oder anderen Instrumenten – viele Monate bis Jahre dauern kann, bis man es präsentabel oder gar professionell beherrscht.

Nach welchem System funktioniert Beatboxing?

Beatbox-Klänge entstehen, wenn man bestimmte Buchstaben oder Silben auf spezielle Art und Weise ausspricht. Dabei kommt es im Gehirn zu einer akustischen Illusion, die – bei viel Übung – täuschend echt nach Schlagzeug, Percussion oder Drumcomputer klingen kann. Die grundlegenden Sounds im Beatboxing und ihr zugeordneter Buchstabe bzw. Buchstabenkombination sind

Bass Drum = [b]
Hi-Hat = [ts]
Snare-Drum = [pf]
Rim-Click = [k]

Aus phonetischer Sicht kommen beim Beatboxing insbesondere zwei Lautgruppen vor.
Die Explosivkonsonanten

Die perkussive Kraft der Sounds rührt zu einem großen Teil von den Explosivkonsonanten her, die sich in zwei Kategorien einteilen lassen:

Harte Explosivkonsonanten [p],[t],[k]
Weiche Explosivkonsonanten [b], [d], [g] 

Während die harten Explosivkonsonanten stimmlos ausgeführt werden, erlauben die weichen Explosivkonsonanten den Einsatz der Stimme durch aktive Phonation. Welche der beiden Möglichkeiten man verwendet, bleibt dem musikalischen Geschmack und der klanglichen Präferenz vorbehalten und kann nur durch Ausprobieren in der Praxis entschieden werden.
Affrikaten

Als Affrikaten bezeichnet man in der Phonetik die enge Verbindung eines Explosivlautes mit einem Reibelaut (Frikativ). Dies ist ganz prominent der Fall bei der Snare Drum [pf] sowie der Hi-Hat [ts] oder Shaker-artigen Sounds [tsch].

Wo kann man Beatboxing überall einsetzen?

Überall dort, wo Rhythmus gebraucht wird, kann das Beatboxing eingesetzt werden. Einige Beispiele:

Im Chor oder Vokalensemble als rhythmische Begleitung
In einer Band mit Instrumenten als rhythmische Begleitung
Solistisch oder als Instrumentalist
In Verbindung mit einer Loopstation
In Schulklassen oder der Musik-AG als rhythmische Betätigung
Im Musikunterricht als Thema

Kann die Stimme durch „falsches Beatboxen“ Schaden nehmen?

Grundsätzlich ist das Beatboxing für die Stimme genauso unbedenklich wie gesundes Singen und Sprechen. Es werden sogar dieselben körperlichen Voraussetzungen beim Singen benötigt:

Ein freies und offenes Halsgefühl
Ein aufgerichteter Körper 
Ein lockerer und stabiler Stand mit gutem Bodenkontakt
Ein „tiefer“ Atem, der alle Räume optimal ausnutzt 

Auch die zu vermeidenden Punkte sind mit dem Singen identisch:

Kein Pressen oder Drücken im Halsbereich
Kein Pressen, Drücken oder falsch verstandenes „Stützen“ im Bereich der Bauchmuskulatur
Keine angezogenen Schultern oder verspannte Nacken- und Kopfhaltung

Wenn diese Punkte beachtet werden, steht einem gesunden Sprechen, Singen oder auch Beatboxen nichts im Wege.
An dieser Stelle noch ein wichtiger Hinweis zu Auftritten: Sobald man vor Publikum auftritt, das einen hören muss, ist unbedingt ein Mikrofon zu verwenden, um das Kehlkopfsystem vor zu hohem Druck zu schützen! Die Lautstärke ohne Mikrofon ist sonst zu gering, selbst wenn man mit einem Chor oder einer A Cappella-Gruppe auftritt.

Wo finde ich weiterführende Literatur zu Beatboxing?

Heutzutage ist es ein Leichtes, auf Online-Videoportalen „Beatboxing“ einzutippen und schon kommen viele sogenannte „Tutorials“ in denen das Beatboxing vermeintlich erklärt wird. Oftmals ist es nicht nachprüfbar, wie qualitativ hochwertig der Inhalt ist und wie gut er pädagogisch vermittelt wird. Es gibt in deutscher Sprache drei seriöse Standardwerke, die bei jeweils renommierten Verlagen veröffentlicht sind:

Beatbox Complete (Helbling Verlag)
Beatbox your choir (Schott Verlag)
The Real Beatbox School (Doblinger Musikverlag)

Richtig beatboxen lernen könnt Ihr bei Indra zum Beispiel hier:
Beatbox-Kurs in Remscheid im November 2017

Über Fragen und Kommentare freuen wir uns wie immer!

 

Recent Posts

Leave a Comment

Start typing and press Enter to search