Atmung 101 (Teil 1) Einatmen… ausatmen…

 In Atemtechnik, Atmung, Entspannung, Frauen, Gesang, Körperarbeit, Singen, Stimme allgemein, Stimmwellness

„…ein… aus… ein… aus…“ hört die Blondine auf ihrem Kopfhörer – bis der Frisör ihr denselben wutentbrannt vom Kopf reißt und sie röchelnd zu Boden sinkt…
Dieses Szenario ist Gott sei Dank nur im Blondinenwitz Realität. In Wirklichkeit wird unsere Atmung als lebenserhaltende Funktion vom vegetativen Nervensystem gesteuert, so wie unser Herzschlag und die Verdauung.

Wir können also nicht uneingeschränkt ihre Funktionsweise steuern – uns beispielsweise selbst ersticken. Dann übernimmt ultimativ unser Körper die Regie und sorgt für unser Überleben.

Anders als auf Herzschlag und Verdauung können wir aber zumindest teilweise auf die Atmung Einfluss nehmen, weil wir bewussten Zugriff auf die großen Atemhilfsmuskeln in Bauch und Flanken haben. Diese Tatsache machen wir uns beim Erlernen von Sprech – und Gesangstechnik zu Nutze.

 

Atmung: Babys und Hunde machen alles richtig

Für alle Situationen, in denen Laute gebildet werden, ist eine kombinierte Bauch- und Flankenatmung die „Technik“ der Wahl. Beobachten wir Babys und Haustiere im Schlaf, sehen wir, dass diese genau das tun. Und wenn gebellt oder nach Mama gebrüllt wird, passiert das auch unterstützt durch costoabdominale Atmung („Brust-Bauch“-Atmung) – und zwar ausdauernd, ohne heiser zu werden!
Diese Tatsachen unterstützen wieder einmal unsere Überzeugung, dass unser Körper perfekt funktioniert und auch die Stimme in ihrer Funktion instinktiv optimal unterstützt – wenn wir ihn lasssen! Es sind wieder mal die von Konventionen, Kultur und Erziehung aufgezwungenen schlechten Gewohnheiten, die dieses Wunderwerk der Natur stören: Über Jahrunderte mussten besonders Frauen ihre Atmung auf den oberen Brustbereich beschränken – weil sie Korsette tragen mussten, die eine Atmung in den Bauch unmöglich machten. Und auch die männlichen Vertreter unserer Spezies werden allgemein eher mit der „Brust raus, Bauch rein“-Strategie zum Anführer gewählt. Sogar heute ist es noch so, auch ohne einengendes Fischbein, dass ein lockerer, hängender Bauch nicht „schick“ ist, sondern in Gesellschaft angespannt und eingezogen wird. Resultat: Die Atmung funktioniert nicht mehr uneingeschränkt und kann der Stimme auch nicht mehr so viel Kraft verleihen, wie es eigentlich möglich wäre. Plus: Bei Nervosität oder Lampenfieber spannen wir den Bauch instinktiv noch mehr an und werden kurzatmig!

Verbessert Eure Atemtechnik!

Unser Appell an Euch: Beobachtet Eure Atmung! Was passiert mit Eurer Atemmuskulatur, wenn Ihr vor anderen Leuten sprecht? Zieht Ihr Euer „Schutzschild“ – die angespannten Bauchmuskeln – hoch? Habt Ihr grundsätzlich zu enge Hosen an? Versucht Ihr Euch hinter Euren hochgezogenen Schultern zu verstecken?

Schafft Ihr es, beim nächsten Mal bewusst gegenzusteuern und den Bauch bei der Einatmung zu entspannen?
Kleine Wahrnehmungsübung: Eure Bauchmuskeln locker zu lassen und die Einatmung nicht zu forcieren, wenn ihr „tief“ Luft holt geht am einfachsten, wenn Ihr absichtlich die Ausatmung „anstrengend“ macht: Zieht während die Luft ausströmt Euren Bauchnabel Richtung Wirbelsäule wie bei einem kleinen Sit-up. Wenn die Lungen leer sind, lasst die Spannung wieder los und – die Einatmung passiert von selbst! So als wenn Ihr eine neue Kaffeepackung aufschneidet und sich das Vakuum ausgleicht…
Außerdem: Ab und zu tief seufzen! Fühlt euch erleichtert und seufzt kräftig aus (auch ohne Ton)!
Das lockert Eure gesamte Atemmuskulatur und hilft so Eurem Körper dabei, die Sauerstoffzufuhr zu optimieren.

 

Merkt Ihr, dass Ihr manchmal Probleme beim Atmen habt? In welchen Situationen ist das so? Wie helft Ihr Euch? Schreibt uns in den Kommentaren!

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Showing 4 comments
  • Jenny
    Antworten

    Wenn ich vor Publikum spreche, dann habe ich das Gefühl, dass ich ersticken muss, so sehr pumpe ich mich mit Luft voll, wenn ich mich lasse ;0)
    Dagegen hilft teilweise, sich zu sagen, dass die Welt sich auch weiterdreht, wenn ich mich verspreche oder sich vorzustellen, man sei jemand anderes, cooleres ( zB meine ehemalige Deutschlehrerin, die im übrigen jetzt Patentante meines Sohnes ist und phantastische Reden hält :0)

    • Ina Hagenau
      Antworten

      Genau! „Fake it till you´ve BECOME it!“ (Amy Cuddy) Und immer wieder dran denken: Nachher ist alles vorbei, niemand ist gestorben, Du selbst schon gar nicht, und Du kannst in Ruhe Dein Feierabendbier (oder was auch immer) genießen… 🙂

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