Brüllen, festsingen, heiser werden? 4 Schritte zu mehr Achtsamkeit im Chor

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Ist das nicht das Allerschönste an Chören: Es gibt für jedes Sängerniveau einen, und viele fordern noch nicht einmal Stimmbildung von ihren TeilnehmerInnen. Einfach hingehen und singen also? Geht. Kann auch super funktionieren.

Aber: Es gibt auch Risiken und Nebenwirkungen. Fragen Sie den Chorleiter Ihres Vertrauens… Der kann nämlich in einer großen Gruppe nicht verantwortlich sein für die Stimmgesundheit und das Wohlbefinden aller seiner SängerInnen. Bleibt nur noch eines: Sich selbst verantwortlich fühlen und dafür sorgen, dass es Dir und Deiner Stimme in der Chorprobe gut geht.


Wann geht´s mir nicht gut?!

„Achtung Risiko“ gilt zum Beispiel, wenn Du als ChorsängerIn merkst: Nach der Probe bist Du heiser und hast keine Lust mehr zu singen oder zu sprechen. 

Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass Du Dich während der Probe überanstrengst, wahrscheinlich durch eine falsche Singtechnik. Die rührt oft daher, dass Du in der Probe mit so vielen anderen Dingen beschäftigt bist: Noten und Text lesen, Töne richtig singen, darauf achten, was der Chorleiter sagt, hören was die anderen singen usw. usw. Und schon machst Du das, wofür Du da bist, nämlich Singen, mehr oder weniger auf Autopilot. Wenn Deine Stimme aber nicht gut ausgebildet ist, funktioniert der Autopilot nicht so richtig. Der fühlt sich nur auf sehr ausgetretenen Pfaden wohl. Sobald die Anforderungen steigen, Du also höher oder lauter singen sollst als gewohnt (vor allem, wenn Ihr schwierige Stellen mehrmals übt), greift Dein Autopilot zu „einfachen“ Tricks und schlechten Angewohnheiten. Und dann „drückst“ Du Töne heraus, „singst Dich fest“, „quetschst“, „schreist“ und hauchst. Die Folge: Eine angespannte Stimme, die aus diesem Zustand auch nicht einfach so wieder herauskommt. 

Passiert Dir das auch manchmal? 


Dann haben wir jetzt die Geheimwaffe für jede Chorprobe: Achtsamkeit!

Ich weiß, das ist schon ein ziemlich ausgenudeltes Wort, aber wahr. Leider ist auch die Fähigkeit, in der Chorprobe achtsam mit Deiner Stimme umzugehen etwas, das Du üben musst. Aber es ist die allerbeste Voraussetzung, um Deine Stimme auch ohne Gesangsunterricht oder Vocal Coaching zu verbessern und zu stärken.

Und das Beste: Du kannst (und solltest) es immer und überall üben, beim Singen zuhause, beim täglichen Sprechen und sogar wenn Du die Stimme nicht benutzt. 


Schritt 1: Deine Stimme bewusst wahrnehmen

Spüre in beliebigen Situationen (möglichst verschieden und über den Tag verteilt, vor allem aber in der Chorprobe) in Deinen Kehlkopf hinein und frage Dich:

Wie fühlt sich mein Körper an dieser kleinen, aber wichtigen Stelle an?

Entspannt? Angespannt? Kribbelig oder taub? Vibriert es? Wund oder unversehrt? Trocken? Gut befeuchtet? Kühl? Warm? Komme ich leicht besonders hoch oder tief? Kann ich laut? Leise? Was will meine Stimme am liebsten? Sing ich grad lieber in „Kopf-„ oder „Bruststimme“? Mag ich lieber „große“ oder „kleine“ Töne? Was fällt Dir noch auf?

GANZ WICHTIG!
Mache Dir eine (mentale oder echte) Notiz.
So kannst Du nach einigen Tagen Muster erkennen, in welchen Situationen Deine Stimme sich wohl fühlt, beansprucht wird, wach und aufgewärmt ist oder müde wird. Und dann ziehe Schlüsse. Für alle Erkenntnisse gilt erstmal: Bewerte sie nicht als „gut“ oder „schlecht“ sondern nur als „interessant“!

Kannst Du von Situationen und Tageszeiten auf Gewohnheiten schließen, die Deine Stimme beeinflussen?

Zwei kleine Beispiele:
Hängst Du zum Beispiel vor der Probe müde auf dem Sofa und Dein Kreislauf ist schon unten, wenn Du Dich auf den Weg zum Chor machst? Dann ist es für Deinen Körper schwierig, noch einmal die nötige Energie für hohe Töne und gute Konzentration zu mobilisieren. Besser: Ein bisschen Stretching oder Yoga zum Entspannen-aber-Wachbleiben, oder ein bisschen im Wohnzimmer zu Deiner Lieblingsmusik tanzen…

Wenn Du vor der Probe zu Abend isst, kann es sein, dass Deine Stimme sich verschleimt anfühlt und irgendwie erst zur Hälfte der Probe wieder ganz da ist. Bei Dir auch so? Dann verschieb das Essen doch auf nach der Probe. Und wenn das nicht geht: Summe ganz leise in kleinen, geschmeidigen Auf- und Abbewegungen, während Du zum Chor gehst oder fährst, dann löst sich der Schleim und Du kannst ihn mit einem festen Schlucken aus dem Weg drücken.

Schritt 2: Achtsamkeit für Deine Atmung

Dieselbe Achtsamkeit solltest Du Deinem Atem schenken. Hast Du schlechte Atemgewohnheiten, die Du in Deinem Alltag festigst und „übst“?

Entspanne jeden Tag mehrmals bewusst Deinen Bauch und beobachte Deine Atmung.

Beeinflusse sie nicht sofort in Richtung „richtig“, sondern frage: Geht sie jetzt gerade flach/tief/schnell/langsam? Wie ist das Verhältnis von Einatmung- und Ausatmungsphasen?

Kannst Du das Verhalten Deines Atems an bestimmte Situationen und Emotionen knüpfen?

Kannst Du den Zustand von Atem und Stimme miteinander verknüpfen?

Notiere.

Schritt 3: Kümmere Dich um Deinen Körper

Dein Körper ist Dein Instrument. Was Dein Körper tut, beeinflusst sowohl Atmung als auch Stimme. Mache einen kleinen Check-Up mit Deinem Körper, gern öfter am Tag.

Wie fühlst Du Dich?

Wie ist Deine Haltung?

Aufgerichtet, leicht? Schwer, gebeugt? Dein Stand? Stabil, instabil? Wie ist Dein Muskeltonus? Schlapp, entspannt, angespannt, verspannt oder euton (ausbalanciert zwischen Entspannung und Spannung)? Gibt es Unterschiede an verschiedenen Körperstellen? Vor allem: Was macht Dein Nacken/Schulterbereich? 

Checke danach Deinen Atem und Deine Stimme:

Gibt es offensichtliche Verbindungen in Deinen Beobachtungen?


Schritt 4: Deinen inneren Zustand managen

Unserer innerer Zustand beeinflusst maßgeblich, wie sich unser Körper verhält und andersherum. „Mini-Meditationen“ über den Tag verteilt (nur einige Sekunden lang) können Dir helfen, Deine Stimmung schnell zu erfassen und wiederum nach Ursachen und Triggern für Unlust, Stress, Freude, Motivation etc. zu forschen. 

Unlust finden wir in unserem Körper als Schlappheit oder Unterspannung wieder, Stress resultiert in unnötiger Muskelspannung und „Gegendruck“. Und was meinst Du, wie sich diese Zustände in Atmung und Stimme fortsetzen…? Aaaaah! 

Nicht so optimal, oder?

Versetze Dich, wenn möglich, in einen Zustand von Freude und Munterkeit, Wachheit und Motivation. Tipps dazu findest Du zum Beispiel hier oder hier.

Beim Körper anzusetzen, nämlich bei Kreislauf, Haltung/Bewegung und Mimik, wirkt sich übrigens positiv in beide Richtungen aus. Du kannst also mit der Verbesserung Deines körperlichen Zustandes eine gute Grundlage zur Verbesserung Deiner Stimme und Atmung auf der einen, und Deiner Laune auf der anderen Seite schaffen! 

Also los! Mache es Dir zur Gewohnheit, immer über den Zustand Deiner Stimme, Atem, Körper und Stimmung Bescheid zu wissen. Und wenn Du weißt was los ist, hast Du wahrscheinlich schon einen Lösungsansatz, den Du ausprobieren kannst, wenn es nötig sein sollte. Bemerke also rechtzeitig in der Chorprobe, wenn sich Deine Haltung, Atmung oder Stimme in einen ungünstigen Zustand bringen – und hilf ihnen wieder heraus, ohne Dich zu ärgern!

Du kommst allein nicht klar? Schreib uns eine Mail und wir helfen Dir gern!

 

 

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